Wasser war keimbelastet, Milch nicht zu jeder Jahreszeit gut und Branntwein schnell verpönt. Da blieb also nur noch Bier, Bier und nochmals Bier. Die Jahrhunderte hindurch galt es nicht nur als kräftigend nach harter Feld- oder Industriearbeit, sondern sogar als gesundheitsfördernd. Die schädliche Wirkung durch Alkohol hingegen blieb lange Zeit unerkannt.

Was dürfen wir trinken? Dürfen wir saufen? Müssen wir eine bestimmte Zeit fasten? Ab wann sind wir alkoholabhängig? Das ganze Spektrum dieser Fragenpalette arbeitet der Mediziner Helmut Seitz in seinem Vortrag für uns ab. Er ist Direktor am Alkoholforschungszentrum der Universität Heidelberg und hat am 16. März 2016 im Umfeld der Sonderausstellung "Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitgebot" im Technoseum Mannheim gesprochen. Seitz berichtet aus seiner Praxis, dass junge Menschen, die schon früh mit dem Saufen beginnen, Ende Zwanzig an Leberzirrhose erkranken und mit knapp vierzig sterben. Doch nicht nur die seien gefährdet. Er verweist auch auf andere Bevölkerungsgruppen.

"Da gibt es viele Leute, die gezwungen sind, Bier zu trinken. Ich denke nur an unsere Politiker, die immer wieder Alkohol trinken müssen."
Helmut Seitz, Alkoholforscher

Damit Ihr nicht dauerhaft zuviel trinkt, hat Euch DRadio Wissen hier die "Zehn Gebote des Trinkens" zusammengestellt, die auf die Ratschläge von Helmut Seitz zurückgehen:

  1. Trinke nicht allein
  2. Du sollst Alkohol vorwiegend beim Essen und in Gesellschaft trinken.
  3. Du sollst nicht zu früh mit dem Trinken beginnen.
  4. Du sollst nicht komasaufen
  5. Du sollst beim Trinken darauf achten, welche Geschichte Deine Vorfahren mit dem Alkohol haben.
  6. Du sollst unbedingt an zwei Tagen pro Woche abstinent leben.
  7. Du sollst höchstens ein achtel Liter Wein oder ein viertel Liter Bier am Tag trinken, wenn Du eine Frau bist.
  8. Du sollst höchstens ein viertel Liter Wein oder einen halben Liter Bier am Tag trinken, wenn Du ein Mann bist.
  9. Du sollst vorsichtig mit dem Alkohol sein, wenn Du über achtzig Jahre alt wirst.
  10. Du sollst während der Schwangerschaft auf jeglichen Alkoholgenuss verzichten.
"Wer einen alkoholkranken Vater hat, hat nachweislich ein zehn- bis zwölffaches Risiko, als Sohn ebenfalls Alkoholiker zu werden."
Helmut Seitz, Alkoholforscher

Die genauen Gründe für die "Zehn Gebote" erfahrt Ihr in unserem Audiovortrag. Alkohol zu trinken, kann in bestimmten Fällen sogar gesundheitsfördernd sein. Wer an konoraren Störungsbildern oder Krankheiten leidet, darf gerne hier und da ein Gläschen trinken. Laut Seitz kann das eine positive Wirkung auslösen. Allerdings weist er darauf hin, dass jeder am besten sein eigenes Labormuster aufstellen lassen könne, um seine Alkoholaffinität oder -resilienz genauestens kennenzulernen.

Das Thema seines Vortrags lautete: "Wann wird das Genussmittel zum Suchtmittel?" Der Hörsaal berichtet außerdem in einer Reportage über trockene Alkoholiker, die das angebliche Wundermittel Baclofen ausprobiert haben, um ihre Sucht zu bekämpfen. Anneke Meyer hat nachgeforscht, was dabei im Kopf von Alkoholikern genau passiert.