Kaum Kontakt zur Außenwelt, ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus und eine hohe Arbeitsbelastung – So etwa sieht die Arbeitssituation der Astronautinnen und Astronauten auf der ISS-Raumstation aus. Um sich möglichst authentisch auf ihre Zeit im Weltall vorzubereiten, findet ihr Training auf der Erde unter extremen Bedingungen statt: zum Beispiel in einer Höhle in Slowenien.

Tief in die Erde statt hoch ins All: Die Arbeit im slowenischen Höhlensystem löst ähnliche Stressfaktoren aus wie eine Weltraum-Mission, erklärt Rüdiger Seine, Leiter der Astronautenausbildung bei der ESA. Die Situation sei vergleichbar mit den Verhältnissen auf der Internationalen Raumstation ISS.

Denn die Gruppe der sechs Astronautinnen und Astronauten ist dort vor allem auf sich alleine gestellt. Zum einen sind da die äußeren Faktoren wie etwa eine schlechte Auswahl an Essen, der fehlende Tag-Nacht-Rhythmus oder wenig Interaktion mit der Außenwelt. Zum anderen setzt die hohe Arbeitsbelastung sie unter Druck.

"Das Training ist nicht dazu, um es den Astronauten gemütlich zu machen, sondern um sie an die Belastungsgrenze zu führen."
Rüdiger Seine, Leiter der Astronautenausbildung bei der ESA

Ziel des Trainings ist: Die Astronautinnen sollen sich selbst beobachten und prüfen, wie sie mit Stress unter den gegebenen Umständen umgehen. Zudem müssen sie die Gruppe im Blick behalten und auf die übrigen ebenfalls gestressten Teammitglieder reagieren. Denn: Erstmal im All, werden die sechs Astronautinnen ein halbes Jahr lang miteinander leben und forschen. In der Höhle können sie sechs Tage lange testen, wie gut das funktioniert und was verbessert werden könnte.

Das Training testet die Stressresistenz der Astronautinnen

Ähnlich wie auf der Raumfahrtstation muss die Gruppe auch während der Zeit des Trainings ihre neue Umgebung erkunden und untersuchen. Deshalb ist das Team nur mit dem Basiscamp vertraut, die restliche Höhle müssen sie selbst entdecken und für ihre Arbeit nutzen. Das bedeutet: Sie führen auch in der Höhle echte wissenschaftliche Experimente für Wissenschaftler durch – ganz so wie bei ihrer Mission im Weltall, erklärt Rüdiger Seine. Gleichzeitig üben die Astronautinnen und Astronautem damit, sich sicher in einer solchen eher feindlichen Umwelt zu bewegen.

Unterschiedliche Tests zur Vorbereitung

Solche speziellen Trainings gibt es auch für andere Aufgaben auf der Raumfahrtstation: Um Astronauten-Teams auf Außenbordeinsätze oder sogenannte Weltraumspaziergänge vorzubereiten, üben sie beispielsweise unter Wasser. Das heißt: Sie trainieren an einem Unterwasser-Ort ähnliche Stresssituationen wie in der Höhle. Der Großteil der Astronautenausbildung sei aber nicht so spektakulär, verrät Rüdiger Seine. Der fände in einem klassischen Gebäude der ESA in Köln statt.