Lidia Nunez kommt aus El Salvador, seit 15 Jahren lebt sie in den USA - illegal. Trotzdem hat sie ihren Sohn Victor zu sich geholt und dabei viel Geld verloren. Die Geschichte von Mutter und Sohn.

Lidia Nunez war 28 Jahre alt, als sie El Salvador verlassen hat. Sie hatte fünf Kinder, deren Vater sich nicht um sie gekümmert hat. Ihre ältere Schwester hat damals schon in den USA gelebt und sie ermutigt auch dorthin zu kommen. Und weil Lidia sich ein besseres Leben für ihre Kinder gewünscht hat, machte sie sich auf den Weg in die USA.

"Das Leben ist schwer in unserer Heimat. Ich habe so viel gearbeitet wie ich konnte, aber nie geschafft, meine Kinder zu versorgen. Hatten wir genug zu Essen, reichte es nicht für Kleidung und Schuhe. Wir waren sehr arm."
Lidia Nunez über ihr Flucht in die USA

Im Laufe der Jahr ließ sie vier ihrer Kinder in die USA nachkommen: Zwei leben ohne Papiere in ihrer Nähe, zwei haben Asyl bekommen. Sie sind nach Texas und New York gezogen, haben inzwischen selbst Familien. Da war aber noch Victor - Lidias jüngster Sohn. Bis zum Tod der Großmutter hat Victor bei ihr gelebt, später bei einer Schwester von Lidia.

Doch irgendwann als Victor 12, 13 Jahre alt war, wurde er plötzlich von Bandenmitgliedern bedroht. "Beim zweiten Mal haben sie versucht, ihn mit einem Auto zu überfahren. Da war er mit Cousins auf dem Weg zu einem Telefonladen. Zum Glück hat ihn ein Cousin zur Seite gezogen. Sonst wäre er schon tot", erzählt Lidia.

Erst Schlepper dann Kidnapper

Als sie davon erfahren hat, wusste sie: Victor muss zu ihr in die USA kommen - raus aus El Salvador. Dafür rafft Lidia ihre gesamten Ersparnisse zusammen und bezahlt einem Schlepper 4000 Dollar. Was Lidia zu dem Zeitpunkt nicht weiß: Der Schlepper verkauft Victor an Kidnapper in Guatemala, die dann noch mehr Geld von Lidia zu fordern.

"Sie haben mich um Mitternacht angerufen, am frühen Morgen, andauernd. Sie wollten 10.000 Dollar. Sie sagten mir: Wir haben deinen Jungen. Schick uns das Geld."
Lidia Nunez über die Kidnapper ihres Sohnes

Lidia gibt nicht auf

Irgendwann lassen die Kidnapper Victor frei und er landet wieder in El Salvador. Lidia probiert es ein zweites Mal: Sie leiht sich Geld, bezahlt einen zweiten Schlepper, um Victor in die USA zu holen. Es klappt. Aber dann beginnt ein Spießrutenlauf durch Behörden und Gerichte, damit Victor bei ihr bleiben darf.

"Natürlich gibt es neue Probleme, auch mehr Kosten. Für das Gericht, die Anwältin. Interviews für die Immigration. Viele Hindernisse. Aber es lohnt sich. Wenn sie ihn nur bei mir lassen!"
Lidia Nunez über ihren Kampf für Victor