Die Lage im Nahen Osten wird immer angespannter. Der Iran hat jetzt angekündigt, mehr Uran anzureichern als im internationalen Atomabkommen vereinbart.

Das Atomabkommen zwischen dem Iran, den fünf UN-Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland wurde 2015 in Wien geschlossen - vor einem Jahr stiegen die USA einseitig aus dem Abkommen aus. Bisher hatte sich der Iran trotzdem an die Vereinbarungen gehalten - trotz Sanktionen der USA.

Mit 90 Prozent Urananreicherung hätte man atomwaffenfähiges Material

Jetzt sendet Teheran aber einen Warnschuss. Als solchen wertet ihn unsere Korrespondentin für die Region Karin Senz. Der Iran hat angekündigt, sich an die vereinbarte Grenze von 3,67 Prozent Urananreicherung nicht mehr zu halten. Das Land wolle mehr Uran anreichern. Wie viel genau, sage Teheran nicht - die Rede sei aber von fünf bis 20 Prozent, so Karin Senz.

"20 Prozent Urananreicherung wäre die Menge, die man für medizinische Zwecke braucht. Bei 90 Prozent hätte man atomwaffenfähigese Material."
Karin Senz, Korrespondentin für die Region

Das Problem sei laut Karin Senz, dass der Weg von 20 Prozent Urananreicherung bis zu 90 Prozent nicht all zu weit sei - auch wenn sich das nach viel anhöre. Mit der jüngsten Ankündigung des Iran befürchten Experten, dass das Land innerhalb eines Jahres genug Material sowohl für Atomwaffen als auch den Bau einer Atombombe haben könnte.

Die USA, die vor einem Jahr einseitig aus dem Vertrag ausgestiegen sind, fühlen sich nun bestätigt. US-Präsident Trump will den Iran zu Verhandlungen über eine deutlich weiter reichende Vereinbarung über sein Atom- und Raketenabkommen zwingen. In Richtung Iran sagte Trump am Wochenende vor Journalisten in New Jersey: "Sie sollten besser vorsichtig sein".

Druckmittel gegen Sanktionen

Karin Senz betont, dass die Ankündigung, mehr Uran anzureichern, für den Iran Druckmittel sei. Teheran wolle nämlich durchsetzen, dass die europäischen Vertragspartner an ihrer Zusage festhalten, dafür zu sorgen, dass der Iran weiter Handel betreiben und Öl verkaufen darf.

"Der Iran nutzt die Androhung um Druck auf die Europäer auszuüben, dass sie endlich ihren Teil des Atomabkommens einhalten."
Karin Senz, Korrespondentin für die Region

Abkommen erst einmal nicht gefährdet

Die angespannte Situation im Nahen Osten ist laut Karin Senz nicht so zu bewerten, dass der Atomdeal kurz davor stünde zu platzen. Vielmehr sei alles, was seit Mai passiert sei, als Warnschuss zu verstehen. Aber die Lage sei festgefahren, denn man könne deutlich sehen, dass Europa zwar versuche, etwas gegen die US-Sanktionen zu unternehmen, letztlich aber machtlos sei.

Bau der Atombombe passe nicht mit islamischen Werten zusammen

Karin Senz geht nicht davon aus, dass der Iran aktuell vorhat, aus dem Wiener Abkommen auszusteigen. Das Land betone immer wieder, das es kein Interesse daran habe, eine Atombombe zu bauen - einfach weil es mit islamischen Werten nicht zusammenpasse.

Wenn sich am Mittwoch die Internationale Atomenergiebehörde trifft, könnte offiziell erklärt werden, dass der Iran gegen das Abkommen verstoßen hat. In diesem Fall muss laut Vertrag ein Schlichtungsverfahren eingeleitet werden. Das würde dann erst einmal mehrere Wochen dauern.