Derzeit sind 20 US-Atomwaffen in Deutschland stationiert. Inzwischen ist eine Mehrheit der Bevölkerung dafür, dass diese Nuklearwaffen auch weiterhin bei uns bleiben.

Eine Infratest-dimap-Umfrage hat ergeben, dass 52 Prozent der Deutschen für eine Stationierung von amerikanischen Atomwaffen in Deutschland sind. Damit hat sich die Stimmung zu Atomwaffen seit Kriegsbeginn in der Ukraine bei uns im Land stark geändert. Ulrich Kühn, Leiter des Forschungsbereichs "Rüstungskontrolle und Neue Technologien" am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, ordnet ein, wie die aktuelle Stationierung von Atomwaffen in Deutschland aussieht und was es mit der Meinungsänderung der Deutschen auf sich hat.

Dass die Bevölkerung wieder vermehrt eine positive Haltung zu Atomwaffen einnimmt, sieht Ulrich Kühn als ein schlechtes Zeichen für die Weltlage an. Bisher haben die Deutschen eine Stationierung von Atomwaffen hierzulande mehrheitlich abgelehnt. Außerdem ist die Stationierung von Nuklearwaffen unvereinbar mit dem von der Bundesregierung erklärten Ziel einer kernwaffenfreien Welt.

"Schätzungen nach sind hier circa 20 amerikanische Nuklearwaffen stationiert sind."
Ulrich Kühn, Leiter des Forschungsbereichs "Rüstungskontrolle und Neue Technologien" am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik ist

Gerade die Anhänger*innen der Partei der Grünen haben mit 64 Prozent eine hohe Zustimmung zu amerikanischen Atomwaffen in Deutschland. Und das, obwohl eben diese Partei normalerweise eher für Pazifismus und gegen nukleare Waffen und Energie steht. Dass die Umfrage ein solches Ergebnis brachte, wundert Ulrich Kühn aber nicht. Wir seien uns unserer Angreifbarkeit durch den Krieg schmerzlich bewusst geworden. Und das betreffe eben alle Wähler*innen.

US-Atomwaffen in Deutschland

Zu den Atomwaffen, die bisher in Deutschland gelagert werden, gibt es wenig gesicherte Information. Ulrich Kühn erklärt, dass es aus Sicherheitsgründen keine genauen Angaben gibt. Schätzungen zufolge sind 20 Atomwaffen der USA in Deutschland stationiert. Bei diesen Waffen handelt es sich um Freifallbomben, erklärt der Experte. Diese können unter einen Kampfjet geschnallt und am Ziel dann ausgeklinkt werden. Geflogen werden können die Atombomben bisher mit Tornado-Kampfjets.

"Die Bomben in Büchel sind in unterirdischen Tresoren gelagert."
Ulrich Kühn, Leiter des Forschungsbereichs "Rüstungskontrolle und Neue Technologien" am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik ist

Die Atombomben werden in Deutschland im Fliegerhorst in Büchel, in der Eifel unter der Erde in einem Tresor gelagert. In den kommenden zwei bis drei Jahren sollen die Freifallbomben modernisiert werden. Das soll dazu führen, dass sie noch präziser eingesetzt werden könnten. Der Standpunkt in Büchel ist jedoch durch die Lagerung der Atomwaffen im Zweifelsfall das erste Ziel für Angreifer.

Durchführung nuklearer Angriffe aus Deutschland

Falls es dazu kommt, dass diese Atomwaffen eingesetzt werden, sind drei Instanzen notwendig, um den Einsatz freizugeben. Der US-Präsident*in sei aber die einzige Person, die die Macht hat, einen Atomangriff zu autorisieren.

"Das sind dann amerikanische Nuklearwaffen und amerikanische Nuklearwaffen dürfen nur von einer einzigen Person freigegeben werden und das ist der US-Präsident."
Ulrich Kühn, Leiter des Forschungsbereichs „Rüstungskontrolle und Neue Technologien“ am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik ist

Das bedeutet, wenn die Bomben in Büchel aus dem Tresor geholt würden, dann ist der US-Präsident oder die Präsidentin die einzige Person, die den Code zur Scharfschaltung der Waffen besitzt. Weiterhin müsste das deutsche Staatsoberhaupt, aktuell wäre es Bundeskanzler Olaf Scholz, erlauben, dass die deutschen Tornado-Kampfjets mit den Bomben losfliegen dürfen. Und die Nato muss diesem Szenario ebenfalls zustimmen. Die neueste Umfrage hat zwar ergeben, dass die Deutschen vermehrt für die Stationierung US-amerikanischer Atomwaffen in Deutschland sind, die Umfrage zeigte jedoch auch, dass eine Mehrheit gegen eigene deutsche Nuklearwaffen oder gegen Atomwaffen der EU ist.

  • Moderatorin:  Jenni Gärtner
  • Experte:  Ulrich Kühn, Sicherheitsexperte und Leiter des Forschungsbereichs „Rüstungskontrolle und Neue Technologien“ am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik