Heute tickt die Welt im Gleichtakt, Kalender und Uhren sind synchronisiert. Für uns scheint das ganz selbstverständlich, aber dieses globale Zeitverständnis ist nicht mal 200 Jahre alt. Ende des 19. Jahrhunderts erst wurde die Welt synchron - und das kam einer Revolution gleich. 

Damals wurden Uhren zu Alltagsgegenständen und Kalender wurden eingeführt, außerdem veränderte sich laut dem Historiker Sebastian Conrad unser Verständnis von Vergangenheit und Zukunft. Anders als viele andere Historiker ist Conrad dabei nicht der Meinung, dass der Westen dem Rest der Welt sein neues Zeitverständnis aufgezwungen hat. In vielen Kolonien wurde das neue Zeitregime mit Gewalt durchgesetzt, räumt er zwar ein. Dennoch sei diese Transformation keine Geschichte des kulturellen Transfers:

"Dieses globale Zeitregime war eines, was nicht einfach in Europa erfunden und dann in den Rest der Welt importiert wurde."
Sebastian Conrad, Historiker

Aber wie kam es nun dazu, dass sich weltweit eine Gleichzeitigkeit ausbreitete, wer trieb die globale Synchronisierung voran? Dieser Frage geht Sebastian Conrad im Hörsaal nach. "Die Revolution der Zeit - Ein globales Ereignis des 19. Jahrhunderts" heißt der Vortrag, der am 12. Oktober in der Bayerischen Staatsbibliothek München aufgezeichnet wurde und den er im Rahmen der Reihe Exkurs der Deutschen Forschungsgemeinschaft gehalten hat. In dieser Reihe geben DFG-geförderte Wissenschaftler Einblick in ihre Forschung.

"Die Uhr, die Pünktlichkeit, war ein Element des Fortschrittsdenkens."
Sebastian Conrad, Historiker

Sebastian Conrad ist Professor für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem Globalgeschichte, Kolonialgeschichte, Geschichte der Geschichtsschreibung und die Geschichte Ostasiens.