Au-pairs kümmern sich gegen Kost und Logis und Taschengeld um die Kinder. Dabei lernen sie die Sprache und Kultur der Gastfamilie im Ausland kennen. Doch seit einigen Jahren kommt es immer wieder zu Fällen, in denen Au-pairs von ihren Gastfamilien ausgenutzt werden.

Es gibt Standards für die Beschäftigung von Au-pairs. Beispielsweise soll ein Au-pair nicht mehr als sechs Stunden täglich und 30 Stunden wöchentlich arbeiten. Unsere Reporterin Hannah Rau hat zwei Au-pairs in Deutschland getroffen. Celine* ist aus Madagaskar in eine deutsche Gastfamilie gekommen. Statt der angekündigten vier Kinder, hatte sie sechs zu betreuen und kaum Freizeit.

Arbeit rund um die Uhr

Celine hat selbst ohne Agentur über eine Plattform ihre Gastfamilie gefunden und einen Vertrag abgeschlossen. Vor neun Monaten ist die 23-Jährige nach Deutschland gekommen. In ihrer ersten Gastfamilie arbeitete sie 14 Tage rund um die Uhr, bis ihre Gastmutter mit ihr bricht. Zwei Wochen bleiben ihr, um eine neue Familie zu finden – ansonsten muss sie ausreisen. 

"Ich habe von 7 Uhr bis 20 Uhr gearbeitet, jeden Tag."
Celine, Au-pair

Über Facebook und andere Au-pairs findet sie eine Familie in Norddeutschland, die aber kein extra Zimmer für sie hat. Noch zweimal wechselt Celine die Familie, bis sie sich dann doch an eine Agentur wendet, die ihr eine Gastfamilie vermittelt, die sich an die Bestimmungen hält.

Auch Hanne hat vor acht Jahren auf eigene Faust sich eine Familie in Dänemark gesucht, weil es keine Agentur gab, die dänische Gastfamilien vermittelte.

"Ich habe das so erlebt, dass ich Angestellte war in diesem Haushalt, aber ohne eine Möglichkeit, mich zurückzuziehen."
Hanne, ehemaliges Au-pair

Sieben bis zehn Stunden am Tag arbeitete Hanne im Haushalt und hat sich um die Kinder gekümmert. Zeit und Kraft für einen Sprachkurs hatte sie nicht mehr. Die Gastmutter glaubte, in Hannes vegetarischer Ernährung die Erklärung für die mangelnde Energie zu finden, und mischte ihr heimlich püriertes Fleisch ins Essen.

Keine Lizenzpflicht für Vermittler

Judith Liehr von der Au-pair Society glaubt aber, dass die Fälle von Ausbeutung der Au-pairs durch Gastfamilien eher gering sind – meist kommt das nur dann vor, wenn sich beide über eine Plattform und nicht über eine Agentur gefunden haben. 

Keine Kontrolle mehr

Denn seit 2002 gilt keine Lizenzpflicht mehr für Agenturen, wie das früher der Fall war. Bis dahin kontrollierte noch das Familienministerium, ob die Agenturen sich an die Vorgaben hielten. Heute brauchen Privatpersonen nur einen Gewerbeschein, um Au-pairs zu vermitteln. 

Zahlen über Ausbeutung gibt es keine, aber Birigit Wißmann vom Verein für Internationale Jugendarbeit in Hamburg spricht von einem Drittel der Au-pairs, das über schlechte Erfahrungen berichtet.

Notfallhotline

Das Familienministerium hat sich stattdessen für ein Gütesiegel für Agenturen eingesetzt, dass gewisse Qualitätsstandards gewähren soll. Deshalb sei es am besten, sagt Hannah, wenn die Au-pairs ihre Familien über eine Agentur suchen. Die Au-pair Society hat eine Notfallhotline eingerichtet, wo Au-pairs anrufen können, die sich ausgebeutet oder bedroht fühlen.

*Name geändert