Wer im Netz unterwegs ist, hinterlässt unfreiwillig Daten. Verschiedene Firmen nutzen Techniken, um uns personalisierte Werbung anzuzeigen. Nun spioniert uns auch Tiktok aus – unter anderem auch auf Webseiten von Behörden und Gesundheitsorganisationen.

Unter anderem Firmen wie Google, Amazon, Apple und Facebook (Meta) setzen Tools ein, um Nutzerinnen und Nutzern individualisierte Werbeanzeigen zu präsentieren. Mit Tiktok kommt ein weiteres Unternehmen hinzu, dass die Technologie eines Webpixels verwendet.

Die US-Verbraucherorganisation Consumer Reports schreibt, dass das vom chinesischen Konzern Byte Dance angebotene Videoportal Technik verwendet, um das Surfverhalten von Userinnen und Usern zu tracken. Demnach müssen wir nicht einmal einen Account bei Tiktok besitzen, denn der Konzern platziert Tracking-Pixel auf vielen Webseiten.

Darunter sind auch Webseiten von Behörden und Gesundheitsorganisationen. Wenn wir so eine von Tiktok präparierte Webseite aufrufen, lädt der Browser – ganz egal, welcher – ein Tool, das Daten an Tiktok sendet.

"Ein Pixel ist eine winzige, unsichtbare Grafik von einem Tiktok-Server. Die wird heruntergeladen, damit IP-Adresse und andere persönliche Daten an Tiktok übermittelt werden."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Folgen für betreffende Seiten noch unklar

Dies passiere über das von uns verwendete Gerät, den Browser und die Bildschirmauflösung. So können wir unter Umständen wieder erkennbar werden.

Auf die Enthüllungen von Consumer Reports und einer Anfrage der britischen Internetzeitung Independent erklärt die Kurzvideoplattform, dass die per Webpixel erhobenen Daten nicht verwendet werden, um Nutzende in Kategorien einzusortieren. Insbesondere würden die von Nicht-User*innen erhobenen Daten nur für "aggregierte" Reports verwendet.

"Demnach sammelt Tiktok also für irgendwelche allgemeinen, zusammengewürfelten Erkenntnisse", sagt Michael. Dass selbst ein aggregiertes Tracking ein datenschutzrechtlicher Verstoß sein kann, haben manche Webseiten-Betreiber erkannt.

Mit den Recherchen der Medien konfrontiert, erklärten sie, dass es ein Versehen war, der Daten-Weitergabe an Tiktok zuzustimmen. Ob die Daten-Weitergabe an Tiktok Folgen hat, ist noch nicht klar.

"Eine Webseite muss nach der DSGVO Besucher*innen darüber informieren, dass sie getrackt werden und von wem."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Wer das Internettracking verschiedener Unternehmen verhindern will, kann sich zum Beispiel Browser-Add-Ons und einen Script-Blocker installieren. Unser Reporter meint, dass wir das Thema Nachverfolgung des Surfverhaltens aber nicht überdramatisieren sollten, denn das "normale Tracking zielt Pi-mal-Daumen eben darauf, irgendwelche Werbe-Präferenzen bei uns zu identifizieren."

Und bislang gebe es zumindest in normalen Demokratien keinen Hinweis darauf, dass unser Surf-Verhalten noch irgendwie anders ausgewertet wird. "Da fehlen auch bei uns die Kapazitäten zu", sagt unser Reporter.

  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter