Brasilien holzt den Regenwald ab. Als Reaktion lässt Deutschland Fördergelder einfrieren. "Nehmen Sie diese Knete und forsten Sie Deutschland wieder auf, ok?", sagte Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro. Das Problem dabei ist: Deutsche Wälder spielen im weltweiten Vergleich nur eine kleine Rolle.

Konkret bedeutet das: Im Gegensatz zu tropischen Regenwäldern, seien deutsche Wälder nicht ansatzweise so bedeutsam, sagt Werner Eckert aus der ARD-Umweltredaktion. Diese aufzuforsten würde die Folgen einer Abholzung des brasilianischen Regenwalds nicht kompensieren können. Werner Eckert spricht von einem unfairen Vergleich: Das liegt vor allem an der Art der Wälder und auch an der verfügbaren Fläche.

In Deutschland gibt es zum Beispiel kaum freie Flächen, die noch mit Bäumen bepflanzt werden können. Zuletzt haben waldarme Bundesländer wie Schleswig-Holstein Gebiete neu mit Bäumen bepflanzt. Im Rahmen dieser Aktion sind etwa 50.000 Hektar neue Waldflächen in Deutschland entstanden. Viel mehr sei in einem dicht besiedelten Land auch nicht möglich, meint der Umweltjournalist.

"In Deutschland haben wir nicht das Problem, dass wir den Wald unglaublich stark ausweiten müssten."
Werner Eckert, ARD-Umweltredaktion

Durch Dürre und Schädlinge haben wir in den vergangenen Jahren etwa 100.000 Hektar Bäume verloren. Der Umweltredakteur Werner Eckert erklärt, dass die Flächen, auf denen diese Bäume standen aber nach wie vor Waldgebiet sind. Außerdem werden die Brachflächen wieder mit Bäumen aufgeforstet. Hierbei handelt es sich also nicht um verloren gegangene Fläche, sondern um einen natürlichen Zyklus.

Wälder ohne Bäume

Wälder ohne Bäume entstehen immer wieder aufgrund von Dürreperioden – zum Beispiel verursacht durch extreme Hitzephase und wenig Regenfälle. In Kombination mit Schädlingen wie dem Borkenkäfer, komme es oft zu sichtbaren Baumausfällen, sagt Werner Eckert. Besonders auch, weil deutsche Wälder stark aus Fichten-Monokulturen bestehen und diese dafür sehr anfällig sein.

Deutsche Wälder wie bisher aufzuforsten hilft dem Klima nicht

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat vorgeschlagen, Millionen neue Bäume zu pflanzen. Werner Eckert sagt, sie übersehe dabei die Problematik, dass wir bereits viele Wirtschaftswälder haben, die Gewinne erziehen sollen. Durch das Einpflanzen von mehr Nutzbäumen schaffen wir weitere Wirtschaftswälder. Bedeutender fürs Klima wären allerdings Mischwälder mit verschieden alten Bäumen, sagt Werner Eckert.

Bolsonaros Vorwurf hinkt

Trotzdem: Deutsche Wälder mit Bäumen oder ohne Bäume seien nicht das Problem, meint der Umweltjournalist. Hinsichtlich des Vergleichs von Jair Bolsonaro stelle sich viel mehr die Frage danach, wo es möglich sei, Nahrungsmittel nachhaltiger zu erzeugen. Hier gibt es klare Vorteile in Deutschland: Denn gerodeter Urwaldboden ist nach kurzer Zeit kaum noch nutzbar. Dem Klima würde es demnach mehr helfen, den Regenwald nicht abzuholzen.

"Es ist ein unfairer Vergleich, denn: Die Fläche und auch die Art von Wald, die wir in Deutschland zur Verfügung haben, sind mitnichten so wertvoll, wie das tropische Regenwälder sind."
Werner Eckert, ARD-Umweltredaktion