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Die Ständige Impfkommission wird die Auffrischungsimpfungen bald für alle Menschen ab 18 Jahren empfehlen. Das sagte der Stiko-Chef Thomas Mertens bei "Markus Lanz". Warum wir auf eine Boosterlücke zusteuern und welche Probleme es beim Auffrischen gibt.

Gerade jagt die Corona-Inzidenz in Deutschland von Rekordwert zu Rekordwert. Auch am Mittwoch (17.11.2021) meldet das Robert Koch-Institut (RKI) mit 319,5 einen neuen Höchststand. In den vergangenen Tagen rückten deshalb nicht nur die Ungeimpften in den Fokus. Auch die Rufe nach schnelleren Auffrischungsimpfungen werden immer lauter. Manche Expert*innen sprechen in diesem Zusammenhang von einer "Booster-Lücke". Das bedeutet, dass zu wenige Menschen eine dritte Impfung bekommen, ihr Impfschutz nachlässt und sie deshalb gefährdeter sind.

"Zurzeit liegt die Impflücke etwa doppelt so hoch, wie die Booster-Lücke. Aber Ende des Jahres könnten die Zahlen gleich sein."
Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth über die Booster-Lücke

Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth hat sich die Berechnungen eines Twitter-Users zur Booster-Lücke angeschaut. "Der hat die Impfzahlen des Robert Koch-Instituts genommen und in seinem Rechner jeweils ein Verfallsdatum von ungefähr sechs Monaten drangeklebt", erklärt er.

"Daran sieht man, dass zwar immer mehr Menschen geimpft, aber nicht mehr vollständig geschützt sind – einfach weil der Piks zu lange zurückliegt." Den Berechnungen zufolge könnte sich das Verhältnis schon bis Ende des Jahres ändern. Dann, so Wildermuth, könnte es genauso viele Menschen ohne Auffrischungs- wie ohne erste Impfung geben.

Alle Menschen brauchen die Booster-Impfung

Doch bislang hat die Ständige Impfkomission (Stiko) den Booster für Menschen empfohlen, die älter als 70 sind. Zudem für Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen sowie für medizinisches und pflegerisches Personal. Hinzu kommt, dass die Auffrischung bislang frühestens sechs Monate nach der zweiten Corona-Impfung erfolgen soll.

"Die Stiko war zurückhaltend, weil wir einen Mangel bei den Impfmöglichkeiten haben. Es gibt genug Impfstoff, aber Schwierigkeiten, den in die Arme zu kriegen."
Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth

Nun kündigte der Stiko-Chef Thomas Mertens am Dienstag (16.11.2021) bei "Markus Lanz" an, dass am Mittwoch (17.11.2021) erneut über diese Empfehlungen für Booster beraten werde. Demnach werde es bald eine Auffrischungsempfehlung für alle ab 18 Jahren geben. "Alle werden den Booster brauchen, das ist nicht die Frage", sagt Volkart Wildermuth.

Probleme bei der Verteilung des Impfstoffes

Probleme sieht Wildermuth vielmehr in der Verteilung des Impfstoffes. "Die Impfzentren sind weitgehend geschlossen worden. Die Hausärzte haben ihre Impftage ausgesetzt, selbst ältere Leute müssen manchmal einen Monat warten, bis sie ihren Booster bekommen", erklärt der Wissenschaftsjournalist. "Deshalb hat die Stiko bislang gesagt: 'Lass uns erst einmal die besonders Gefährdeten impfen'."

Wenn die Stiko ihre Empfehlung für Booster nun ändert, sieht Wildermuth ein Verteilungsproblem. "Es ist wirklich eine Gefahr, dass jetzt alle Jungen in die Arztpraxen drängen und ihren Booster wollen", sagt er. "Dann fallen die Älteren und auch die Leute in den Pflegeberufen unter den Tisch. Am Ende sollten natürlich alle geboostert werden, aber aktuell fehlt die Kapazität."