Aus Angst vor Abschiebung wandern viele Flüchtlinge aus den USA illegal nach Kanada ein - im Glauben, dass sie dort bessere Chancen hätten.

Die Grenze zwischen Kanada und den USA ist die längste Landesgrenze der Welt. Und die Zahl der Flüchtlinge, die sie nutzt, um illegal aus den USA nach Kanada einzuwandern, steigt. Vor allem haitianische Flüchtlinge, die nach dem schweren Erdbeben von 2010 ihr Heimatland verlassen haben. 

Nach offiziellen Zahlen sind knapp 1800 Menschen in der ersten Augustwoche illegal über die Grenze nach Kanada eingewandert. Und somit deutlich mehr als in den Wochen zuvor.

"Wir haben Angst, aus den USA deportiert zu werden. Wir sind illegal hier, wir sind auf der Suche nach einem besseren Leben und einer besseren Ausbildung."
Rones Marcellus aus Boston der vier Jahre illegal in den USA gelebt hat
Veranstaltung für die Aufnahme von illegalen Einwanderern.
© Kajetan Dyrlich | Deutschlandfunk Nova
„Keiner ist illegal, öffnet die Grenzen.“, schreien Hunderte, die sich vor dem Montrealer Stadion versammelt haben.
"Die Entwicklung der Migration ist nicht mit dem Mittelmeer in Europa vergleichbar. Aber trotzdem ist es ein Thema hier in Kanada. Wir müssen vernünftig handeln, auch wenn es nicht so viele Tote und Verletzte gibt, wie an anderen Orten der Erde.“
Jaggi Singh, Aktivist und Musiker, Organisator der Demo in Montreal

Die Flüchtlinge erwarten sich mehr Hilfsbereitschaft von Kanada und seinen Bewohnern als von den USA. Das liegt sicherlich zu einem großen Teil an der Politik des kanadischen Premiers Justin Trudeau und seiner Äußerung, dass alle Flüchtlinge, die vor Verfolgung oder Krieg fliehen, in Kanada willkommen sind. Weltweite Anerkennung erntete der Premier dafür, dass er 50.000 Syrer in sein Land aufnahm. 

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"Wir haben nicht ohne Grund Standards, was die Einwanderung betrifft. Viele von ihnen, die jetzt die Grenze einfach so übertreten, halten sich nicht an diese Standards. Wenn sie illegal hierherkommen, sollte man sie zurückschicken."
Ein Passant, der die Einwanderung kritisch sieht

Auch wenn viele illegale Einwanderer glauben, dass sie bleiben könnten, wurde in den vergangenen Jahren - nach Angaben der Behörden - die Hälfte von ihnen in ihr Heimatland zurückgeschickt. 

Und auch in der Bevölkerung regte sich ein gewisser Widerstand, nachdem das berühmte Montrealer Olympiastadion – ein Wahrzeichen der Stadt - zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wurde.

Laut Umfragen sprechen sich immer mehr Kanadier für eine Rückführung der illegalen Einwanderer in die USA aus – zurzeit etwa 50 Prozent.

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