Rund 152 Millionen Kinder arbeiten laut Unicef weltweit - fast die Hälfte unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Ihre Arbeit steckt in einigen Produkten, die wir kaufen können. Die zu erkennen, ist gar nicht so leicht.

Die Anzahl von Kindern sinkt, die weltweit arbeiten. Aber zu langsam: Laut Unicef arbeiteten 2016 noch 152 Millionen Kinder weltweit. 2025 werden nach aktuellen Berechnungen 121 Millionen Kinder arbeiten müssen. Eigentlich hatte die Weltgemeinschaft beschlossen, Kinderarbeit bis dahin vollständig abzuschaffen.

Der Großteil der betroffenen Kinder lebt auf dem afrikanischen und dem asiatischen Kontinent und arbeitet dort für Exportprodukte, die wir in den Industriestaaten kaufen können. Im Fokus steht besonders Kinderarbeit, die gefährlich ist und ausbeutend wie zum Beispiel Arbeit auf Baumwollfeldern. Wenn Kinder zur Schule gehen und beispielsweise in der Freizeit das Vieh hüten müssten, sei das nicht immer zwangsläufig ausbeutend.

Vom Fruchtsaft bis zum Handy – in vielen Produkten kann Kinderarbeit stecken

Je nach Herkunftsland können Kinder bei der Ernte für Orangensaft, Mangosaft oder Apfelsaft mitgeholfen haben. Das ist dem Kinderarbeitsreport zu entnehmen, den die Hilfsorganisation Terre des hommes 2019 veröffentlicht hat.

Besonders kritisch sind Produkte, die Metalle oder Stoffe enthalten, die abgebaut werden müssen, etwa Coltan, Mica oder Gold. Die können in elektronischen Geräte wie Smartphones oder dem Laptop sein, aber auch in Autolacken, Kosmetik, Rasierern und Schmuck. In Burkina Faso graben die Menschen zum Beispiel privat Stollen, um Gold zu finden. In diesen Stollen arbeiten Kinder, sagt Barbara Küppers von Terre des hommes.

"Coltan ist einer der Grundstoffe, aber zum Teil auch Mica. Das ist ein Glimmermetall, das auch für Autolacke und auch für Kosmetik verwendet wird. Das wird aber auch verwendet für Isolierungen in elektronischen Geräten. Es ist in Föns, in Rasierern und eben auch in Computern."
Barbara Küppers, Terre des hommes

Und auch bei der Klamottenproduktion gibt es noch Kinderarbeit – zwar nicht mehr so oft in den Nähereien, da habe die Politik schon Erfolge erzielt. Barbara Küppers sagt, dass die Kinder vielmehr auf den Baumwollfeldern arbeiten, und das sei eine sehr schädliche Arbeit.

"Das ist eine tatsächlich sehr gefährliche Arbeit, weil die Baumwollfelder mit Pestiziden besprüht sind und die Kinder da den ganzen Tag durchgehen und Baumwolle pflücken. Es ist heiß, es gibt keine Pause. Es ist also eine wirklich schädliche Arbeit."
Barbara Küppers, Terre des hommes

Siegel gegen Kinderarbeit sollen helfen, geben aber keine Sicherheit

Unser Reporter Pascal Fischer sagt: Wir können uns bei vielen importierten Produkten nicht sicher sein, ob dafür Kinder arbeiten mussten. Zwar gibt es Siegel, die Kinderarbeit explizit ausschließen, aber viele Produkte haben keins.

Eine Auswahl von Siegeln, die Kinderarbeit ausschließen:

  • Fairtrade von Transfair: Kleidung, Fußbälle, Kosmetik, Korbwaren, Lebensmittel
  • Good Weave: handgeknüpfte Teppiche
  • ICTICARE: Spielzeug

Aus diesem Grund fordern Organisationen wie Terre des hommes unter anderem genauere Vorgaben des Gesetzgebers, damit sich die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht durch einen Siegeldschungel kämpfen müssen. Unicef und Terre des hommes haben Vorschläge veröffentlicht, wie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gegen Kinderarmut kämpfen können.