Bei der Flutkatastrophe in Deutschland waren sofort viele Helferinnen und Helfer vor Ort. Das war auch dringend notwendig. Doch es kam auch beispielsweise zu Koordinierungsschwierigkeiten. Wer gerne in Zukunft professioneller in solchen Situationen helfen will, kann ehrenamtliche Katastrophenhelferin werden.

Bei Massenkarambolagen oder Flutkatastrophen braucht es viele Menschen für viele verschiedene Bereiche. Umso besser ist, wenn die Helferinnen und Helfer sich auch noch mit bestimmten Geräten auskennen, gewisse Abläufe kennen und keine langen Erklärungen vor Ort mehr benötigen. Verschiedene Organisationen bieten deshalb freiwillige Ausbildungen zur Katastrophenhilfe an.

Neben Beruf, Uni oder Schule möglich

Die Ausbildung ist keine im klassischen Sinne und ist auch nicht einheitlich in ganz Deutschland - es handelt sich eher um eine Grundausbildung, die Interessierte neben ihrem Job oder ihrer Ausbildung absolvieren können, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nico Rau. Das bieten beispielsweise das Technische Hilfswerk, aber auch private Organisationen wie der Arbeiter-Samariter-Bund an.

Ein wenig Zeit sollten Interessierte allerdings mitbringen: Meist finden die Unterrichtseinheiten ein Mal die Woche für ein halbes bis dreiviertel Jahr abends statt. Hinzu können auch noch Kurse an Samstagen stattfinden für aufwendigere Themenbereiche und praktische Übungen.

"Es geht besonders darum, praktische Dinge zu lernen: Wie ich ein Gerät richtig in die Hand nehme und zum Beispiel mit einem Trennschleifer ein Rohr durchschneide, wie sich Vorrichtungen aus Holz bauen lassen oder wie ich Seile richtig binde."
Julia Kalina, Katastrophenschützerin beim THW Lemgo

Julia Kalina ist 20 Jahre alt und hat sich Anfang des Jahres neben ihrem Wirtschaftsstudium zur Katastrophenschützerin beim örtlichen Verband des Technischen Hilfswerks ausbilden lassen. Der Grund: mal etwas ganz anderes erleben.

Vorher hatte die Studentin mit Technik kaum etwas am Hut - jetzt kann sie Strom mit einem Generator erzeugen, Wasser abpumpen und Lasten richtig bewegen.

"Ich glaube, das kann wirklich jeder machen. Ich bin auch nicht die kräftigste Person, sondern eher zierlich, klein und relativ jung. Aber ich habe das trotzdem ganz gut überstanden, trotz der ganzen Aufregung."
Julia Kalina, hat sich zur Katastrophenschützerin ausbilden lassen

Ihren ersten Einsatz hatte Julia auch schon: Während der Flutkatastrophe hat sie vier Nächte in Stolberg geholfen und nachts die Innenstadt mit Flutlichtern ausgeleuchtet. Julia findet: Ihre Ausbildung hat sie auf den Einsatz gut vorbereitet.

Arbeitgeber muss bei Einsatz freigeben

Der Anruf für diesen Einsatz kam mitten in der Nacht - und am nächsten Mittag ging es schon los. Das muss aber nicht immer so spontan ablaufen, sagt unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter. Oft gibt es einen zeitlichen Vorlauf, etwa wenn es Warnungen für Starkregen oder Schneemassen gibt.

Außerdem können die ausgebildeten Helferinnen und Helfer einen Einsatz auch absagen, sollten sie beispielsweise verhindert sein. Übrigens: Arbeitgeber sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter freizustellen, wenn es einen Einsatz gibt.

"Die ausgebildeten Helferinnen und Helfer werden vielfältig eingesetzt: Das kann bei einem großen Unfall sein, aber auch zum Schnee schippen, bei starken Schneefall oder jetzt in der Pandemie beim Aufbau der Impfzentren."
Nico Rau, Deutschlandfunk Nova

Was die Helferinnen und Helfer am Ende machen, kann von Einsatz zu Einsatz sehr verschieden sein. Antonia Wieschollek ist 25, studiert medizinische Informatik und hat ihre Grundausbildung im Sanitätsdienst Katastrophenschutz beim Arbeiter-Samariter-Bund in Berlin gemacht. Dort steht noch mehr die medizinische Seite im Vordergrund, doch auch da gibt es ganz unterschiedliche Bereiche, in denen sich Ehrenamtliche einsetzen lassen können.

"Kann jemand beispielsweise kein Blut sehen, ist das nicht schlimm. Dann wird die Person einem anderen Bereich zugeteilt - etwa Technik und Sicherheit, Versorgung oder psychosoziale Notfallversorgung."
Antonia Wieschollek, Katastrophenschützerin beim Arbeiter-Samariter-Bund Berlin
Ehrenamtliche Katastrophenhelferinnen und - helfer sind eine wichtige Säule des Bevölkerungsschutzes. Bei der Flutkatastrophe in NRW waren 90 hauptamtliche Mitarbeitende des THW im Einsatz und dazu 19.000 Ehrenamtliche. Jede Hand war hilfreich, sagt das THW. Doch gerade in der Phase nach der ersten Hilfe, braucht es dringend ausgebildete Helferinnen und Helfer. Nachwuchs ist also dringend gesucht.