Der Ausbildungsmarkt steuert schon länger auf ein Tief zu: Die Zahlen für angebotene Ausbildungsplätze gehen zurück, und die Corona-Pandemie verstärkt das. Die Bundesregierung möchte jetzt Unternehmen belohnen, die neue Azubis aufnehmen.

Kleine und mittelständische Unternehmen sollen eine Prämie für neue Auszubildende bekommen. Am 17. Juni soll das Bundeskabinett diesen Plan auf den Weg bringen. Insgesamt umfassen die Prämien schätzungsweise 500 Millionen Euro, die an Unternehmen ausgezahlt werden sollen, um so die Folgen der Corona-Pandemie auf dem Ausbildungsmarkt abzudämpfen.

2000 Euro pro Ausbildunsgvertrag

Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten sollen eine einmalige Prämie von

  • 2000 Euro für jeden im Ausbildungsjahr 2002 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag erhalten,
  • oder 3000 Euro pro neuen Ausbildungsvertrag bekommen, wenn der Betrieb in diesem Ausbildungsjahr mehr Lehrverträge abschließt, als im Durchschnitt der letzten drei Jahre.

Zudem ist eine dritte Art Zuschuss für Unternehmen im Gespräch, die Azubis übernehmen, deren ursprüngliche Ausbildungsstätte im Zuge der Corona-Pandemie schließen musste. Hier ist die Summe bisher noch unklar.

Das ist einerseits ein Zeichen der Wertschätzung für Unternehmen, die ihre Azubis auch während der Krisenzeiten fördern und gleichzeitig entlastet sie der geplante Zuschuss, sagt Deutschlandfunk-Korrespondent Theo Geers aus dem Hauptstadtstudio. Denn jeder Ausbildungsplatz, der erhalten bliebe, sei ein guter.

Ziel: Jeden aktuellen Ausbildungsplatz halten

Ein Blick auf die Zahlen macht das deutlich: Anfang Mai 2020 vermeldete Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ein Angebot von etwa acht Prozent weniger Ausbildungsplätze in Deutschland, verglichen mit dem Vorjahresmonat. Die Corona-Pandemie verstärke den Rückgang. Der Deutsche Gewerkschaftsbund schätzt für manche Branchen sogar ein Minus von um die 20 Prozent bei den Ausbildungsplätzen.

"Nicht jeder bekommt einen Ausbildungsplatz und nicht jedes Unternehmen einen Lehrling. Das ist eine Lücke."
Theo Geers, Dlf-Korrespondent im Hauptstadtstudio

Und auch der Berufsbildungsbericht für das vergangene Jahr zeigt: Unternehmen haben ungefähr 11.000 weniger Lehrstellen angeboten als 2018, so Theo Geers. Von den 578.000 offenen Lehrstellen konnten 525.000 mit Bewerberinnen und Bewerbern besetzt werden. Insgesamt lag die Zahl der Bewerbenden bei etwa 550.000.