Vielleicht seid ihr Banker oder Anwältin, vielleicht seid ihr auch Lehrer oder Grafikdesignerin oder vielleicht seid ihr auch Kfz-Mechanikerin oder Schreiner. Die Frage ist, ob das alles Berufe sind, die es so in der Zukunft noch geben wird - vor allem was die Ausbildung angeht. Ein paar kanadische Forscher glauben, dass sich das ändern wird.

"Die These der Experten: Die nächsten Generationen werden nicht mehr für einen konkreten Beruf ausgebildet, sondern sie lernen vor allem erstmal 'skills', also einzelne Fähigkeiten."
Arne Hell, Deutschlandfunk Nova

Das können Fähigkeiten sein wie etwa "Argumentieren in Stresssituationen" oder "Berechnen, wie Maschinen arbeiten", sagt eine Gruppe kanadischer Berufsberater und Arbeitsmarktforscher.

Revolution für die Ausbildung

Auf den ersten Blick klingt das nur nach einem rein sprachlichen Unterschied – wenn ich dann nach der Ausbildung doch denselben Job mache. Der kanadische Berufsberater und Karrierecoach Jean-Philippe Michel geht aber eben davon aus, dass es diese festgelegten Berufsbilder in Zukunft immer seltener geben wird.

  • er sieht ein Szenario, in dem sehr spezialisierte Mikro-Jobs zu erledigen sein werden
  • eine Firma sucht jemanden, um einen Motor zu entwerfen, eine andere jemanden, der Mitarbeiter schult, wie sie einem Roboter rechnen beibringen
  • laut Michels Vision kann diese Jobs dann ein und dieselbe Person machen, wenn sie die Fähigkeiten dafür hat

In einigen Bereichen gibt es das ja schon längst – bei der Unternehmensberatung etwa. Für andere Berufe wie Facharbeiter oder Ärzte zum Beispiel dürfte es schwieriger werden. Wenn man das radikal zu Ende denkt, dann müssten sehr viele Studiengänge und so gut wie alle Ausbildungsberufe geändert werden.

Fachliche und soziale Kompetenzen

Einer der renommiertesten deutschen Bildungsforscher, Rolf Dobischat von der Uni Duisburg-Essen, glaubt nicht, dass es so einseitig wird.

"Wir brauchen fachliche Kompetenz, aber wir brauchen auch Persönlichkeitsentwicklung und Entfaltungsmöglichkeiten im Beruf."
Rolf Dobischat, Bildungsforscher von der Uni Duisburg-Essen

Berufe und Hochschulen, die heute schon beides ausbilden, seien diejenigen, die später als Gewinner dastehen werden, sagt Dobischat. In Deutschland sei die Berufsausbildung viel spezialisierter und aufgefächerter als etwa in den USA, Kanada oder auch Großbritannien – daher werde das auch nicht einfach so über den Haufen geworfen.

Und wie stelle ich mich dann vor?

Sage ich dann: Ich arbeite für verschiedene Firmen und mache mal dies und mal das? Und alles hat irgendwie mit Rechnen zu tun? Oder erfinde ich einen neuen Begriff und sage: "Ich bin FSE, Freelance Supervising Engineer"? Nein. Alleine deshalb schon, sagt Rolf Dobischat, werden die Berufsbezeichnungen nicht verschwinden.

"Das ist auch eine soziale Kategorie. Dass es nur noch ein Mosaik einzelner Qualifikationsbausteine geben wird, kann ich mir nicht vorstellen."
Rolf Dobischat, Bildungsforscher von der Uni Duisburg-Essen

Trotzdem kann einem das helfen, über die Qualifikationen nachzudenken – zum Beispiel, bevor man sich für eine Ausbildung entscheidet: Was kann ich eigentlich? Und: Was will ich mal können? Und nicht: Welche Berufsbezeichnung würde mir gefallen?

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