Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es viel weniger Ausbildungsplätze und Studijobs. Welche Finanzhilfen helfen können, die Ausbildung fortzusetzen, weiß unser Bildungsreporter Armin Himmelrath.

In diesem Jahr gibt es 47.000 Ausbildungsstellen weniger als im Vorjahr, sagt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Auch für Studierende ist es schwieriger, Nebenjobs zu finden, um sich mit ihrem Verdienst einen Teil ihres Studiums zu finanzieren.

Viele mussten daher – neben Hilfen, die durch das Bafög geregelt sind – Soforthilfen und andere Notprogramme nutzen, um ihre Ausbildung fortsetzen zu können.

"Die Bilanz liegt mittlerweile bei fast einer Milliarde Euro Hilfen, die Studierende beantragt haben. Das heißt, wir haben einen riesigen Bedarf und ein riesiges Problem."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk Nova

Der Gesetzgeber gibt klar vor, wie viel Geld einem Auszubildenden oder Studierenden monatlich zur Verfügung stehen sollte. Der Höchstsatz, den das Bafög vorsieht, sind 681 Euro monatlich, vorausgesetzt der oder die Studierende wohnt nicht mehr bei seinen Eltern.

Wer eine Lehre macht, muss mit deutlich weniger Geld auskommen: Der Mindestlohn für Auszubildende liegt seit Januar 2020 bei 515 Euro und soll zum 1. Januar 2021 auf 550 Euro pro Monat angehoben werden.

Verbraucherschützer raten von Notfallkrediten ab

Für Auszubildende gibt es wenig direkte Hilfen, sagt Armin Himmelrath. Hier kommen eher indirekte Hilfen wie ein Lohnkostenzuschuss zum Tragen, wenn ein Unternehmen trotz der Corona-Pandemie Ausbildungsplätze einrichtet, diese beibehält oder auch Auszubildende aus insolventen Betrieben übernimmt.

Rund eine Milliarde an Notfallkrediten wurde beantragt

Studierende konnten bis September Hilfen aus Notfallfonds beantragen oder Notfallkredite nutzen. Allerdings raten Verbraucher von solchen Krediten ab, weil die Zinsen dafür sehr hoch sind. Die Bilanz liege bei einer Milliarde Euro aus Notfallkrediten, sagt Armin Himmelrath. Das sei ein Zeichen dafür, dass hier ein riesiger Bedarf bestehe.

Mittlerweile haben fast alle Bundesländer mit einer Änderung der Landeshochschulgesetze reagiert: Das vergangene Semester wird vielerorts nicht bei der Dauer der Bafög-Vergabe mitgerechnet.

Regelungen ändern sich zurzeit fast täglich

Dadurch können Studierende diese Förderung ein Semester länger nutzen. Ob das auch im eigenen Bundesland so ist, sollten Betroffene aber gegebenenfalls prüfen, sagt Armin Himmelrath.

Außerdem ändern sich die Regelungen momentan fast täglich, sodass man sich regelmäßig informieren sollte, um alle möglichen Ansprüche nutzen zu können.

"Fast alle Bundesländer haben das vergangene Semester zu einem Null-Semester oder einem Test-Semester erklärt. Das bedeutet de facto: Dieses Semester wird bei der Studiendauer nicht mitgerechnet."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk Nova

Förderung bei Aufstiegs- oder Meister-Bafög

Eine grundsätzliche Aussage des Bildungsministeriums dazu ist, dass Geförderten während einer laufenden Förderung keine Nachteile entstehen sollen, sagt Armin Himmelrath. Das gilt aber nur für den Fall, wenn eine Fortbildung mittendrin unterbrochen wird. In diesem Fall kann der Auszubildende weiterhin über sein Aufstiegs-Bafög verfügen.

Das gilt aber nicht, wenn die Bildungsmaßnahme einige Wochen oder Monate später beginnt, dann müsse der Auszubildende selbst schauen, wie er die Zeit bis zum Beginn des Fortbildungskurses finanziell überbrückt.
Auch hier gibt es bei der Regelung immer wieder Änderungen. Auf der Website Aufstiegs-Bafög könnt ihr euch darüber informieren.

Förderung für Studierende an privaten Hochschulen

Welche Ansprüche Studierende an privaten Hochschulen haben, sollte im Einzelfall geklärt werden, sagt Armin Himmelrath, auch wenn er die Chancen für Förderung in diesem Fall für eher gering hält. Unser Bildungsexperte hat mit verschiedenen Studierenden gesprochen, die ihm erzählt haben, dass sie zu ihren Eltern zurückgezogen seien, weil sie ihr WG-Zimmer nicht mehr finanzieren konnten.

Obwohl die Chancen für Studierende auf finanzielle Förderung eher gering sind, empfiehlt Armin Himmelrath, dass sie sich informieren und auch Bafög beantragen sollten. Auch wenn die Chance den Höchstsatz zu erhalten niedrig sind, aber 100 oder 200 Euro Förderung sind besser als gar nichts, sagt Armin Himmelrath.