Der Ausbruch des neuartigen Coronavirus hat auch Auswirkungen auf die Abiturprüfungen. Schleswig-Holstein ist dabei vorgeprescht: Dort sollen die Prüfungen ausfallen. Die Kultusminister und -ministerinnen machen zurzeit alle ihr eigenes Ding. Eine gemeinsame Lösung fordert dagegen Michael Blanck. Er ist Gymnasiallehrer und außerdem Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) in Mecklenburg-Vorpommern. Denn ohne gemeinsame Entscheidung, würden die Abiturzeugnisse später mehr oder weniger wert sein.

Hessen und Rheinland-Pfalz wollen die Abiturprüfungen weiterhin stattfinden lassen. Schleswig-Holstein hat als erstes Bundesland – ohne Absprache – beschlossen, die Prüfungen komplett ausfallen zu lassen. Andere Bundesländer wollen die Prüfungen erst einmal verschieben. Dieses Chaos ärgert den Lehrer Michael Blanck.

"Es kann nicht sein, dass einige Bundesländer vorpreschen. Das ist schädlich in dieser Situation."
Michael Blanck, Gymnasiallehrer

Denn wenn mehr Bundesländer sich dafür entscheiden würden, keine Prüfungen durchzuführen, andere Länder diese jedoch abhielten, würde es später ein A- und ein B-Abitur geben, warnt Michael Blanck. Dies führe zu Abiturzeugnissen, die mehr oder weniger wert seien.

Die Kultusminister der Länder können sich zwar darauf verständigen, dass sie das Abitur untereinander anerkennen – egal, ob die Schülerinnen und Schüler eine Prüfung abgelegt haben oder nicht. "Aber in der Praxis wird es anders aussehen", sagt Michael Blanck.

Unis könnten genau schauen, ob es eine Abi-Prüfung gab

Über die Zulassung an der Universität entscheiden die Hochschulen: Sie suchen sich die Studierenden aus. Gerade bei Fächern mit Numerus clausus kann es dann von Bedeutung sein, ob die Bewerber und Bewerberinnen ihr Abitur mit oder ohne Prüfungen erlangt haben.

"Es kann nicht sein, dass wir unterschiedliche Abschlüsse haben: mit schriftlichen Prüfungen – vielleicht noch mit mündlichen Prüfungen. Und ganz ohne Prüfungen."
Michael Blanck, Gymnasiallehrer

Dass es Unterschiede in der Wertigkeit des Abiturs gibt, ist nicht neu. Die Prüfungen in Bayern oder Baden-Württemberg gelten als schwieriger als zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen oder Berlin. "Trotz alledem sind alle Schüler durch Prüfungen gegangen", sagt Michael Blanck. Falls es jetzt teils Prüfungen gebe, teils nicht, würden die Unterschiede noch viel größer. Das könnte eben Universitäten dazu bringen, noch genauer hinzuschauen, in welchem Bundesland das Abitur gemacht wurde.

"Hochschulen werden unter Umständen danach sortieren und eine Vorauswahl treffen."
Michael Blanck, Gymnasiallehrer

Um zu einer Lösung zu kommen, ist die große Frage, wann die Schulen wieder öffnen. Falls ab dem 20. April wieder fast normaler Betrieb ist, könnten die Prüfungen nachgeholt werden. Es braucht jedoch Notfallpläne für die Schulen, die auch später erneut schließen müssten, weil es Corona-Infektionsfälle gibt. Blieben die Schulen auch nach dem 20. April geschlossen, würde es kaum möglich sein, die Prüfungen weiter zu verschieben, so Michael Blanck. Denn dann liefen bald schon die Fristen für die Bewerbungen an den Universitäten.

Die Abiturienten und Abiturientinnen brauchen Sicherheit

Vor allem aber brauchten die Abi-Schüler und -Schülerinnen eine Ansage, wie es für sie laufen wird. Dazu gehöre auch, dass sie wissen müssen, ob sie Nachteile haben werden, falls es keine bundesweite Regel geben werde, so Michael Blank.

In diesem Chaos wünscht sich Michael Blanck ein deutliches Machtwort – möglicherweise auch aus der Bundespolitik. Die Bildungspolitiker sollten zeigen, dass man auch unter föderalen Strukturen in solch einer Notsituation zusammenstehen könne. "Gerade jetzt, wenn es um den Zusammenhalt der Gesellschaft geht", sagt Michael Blanck.

Update:

Mittlerweile haben sich die Kultusminister der Länder in einer Telefon-Schaltkonferenz geeinigt: Die Schulabschlussprüfungen in Deutschland sollen trotz Corona-Krise nach jetzigem Stand weiterhin stattfinden. Wie die Kultusministerkonferenz weiter mitteilte, ist eine Absage von Prüfungen vorerst nicht notwendig. Sie fänden zum geplanten beziehungsweise zu einem späteren Termin statt, soweit dies aus Infektionsschutzgründen zulässig sei. Über das weitere Vorgehen würden sich die Bundesländer eng abstimmen. Mehr Informationen gibt es beim Deutschlandfunk.