Seit Mitte März herrscht in Deutschland wegen des neuartigen Coronavirus Ausnahmezustand. Damit alles wieder normal werden kann, brauchen wir zwingend einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2. Davon sind viele gerade in der Entwicklung. Welche Ansätze verfolgt werden, wie vielversprechend sie sind und was noch passieren muss, bis sie uns zur Verfügung stehen, erklärt der Arzt und Infektionsforscher Till Koch im Hörsaal-Vortrag.

Das Coronavirus, das aktuell die ganze Welt mit seiner pandemischen Ausbreitung in Atem hält, ist nicht das erste seiner Art. Schon zuvor gab es Coronaviren – und das hilft jetzt möglicherweise dabei, dass wir schneller einen Impfstoff haben werden, als das bei einer komplett unbekannten Erkrankung der Fall wäre.

"Einige der Überlegen zur Impfstoffentwicklung gegen Sars-CoV-2 basieren ganz wesentlich auf dem Wissen, das wir in der Impfstoffentwicklung gegen andere Coronaviren schon gewonnen haben - also vor allem Sars-CoV-1, aber auch Mers."
Till Koch, Arzt und Infektiologe

Vor Sars-CoV-2 gab es schon Sars-CoV-1, besser bekannt als Sars, und Mers – beides ebenfalls Coronaviren. Als deren Ausbreitung abebbte, wurden auch die Mittel für die Forschung an entsprechenden Impfstoffen eingefroren, erklärt der Hamburger Arzt und Infektionsforscher Till Koch. Das war ein Fehler, findet er, denn ansonsten hätten wir in der aktuellen Pandemie seiner Einschätzung nach wohl schneller einen Impfstoff zur Verfügung.

"Selbst wenn es weltweit einen enormen Effort gibt, wie es im Moment zu beobachten ist, kann man realistisch von 12 bis 18 Monaten ausgehen, die es braucht, um so einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 wirklich verfügbar zu haben."
Till Koch, Arzt und Infektiologe

In seinem Vortrag erläutert er zunächst, welche Coronaviren es gibt, wie sie sich ausgebreitet haben und warum ihre Ausbreitung teilweise aufhörte. Dann erklärt er die wichtigsten aktuellen Ansätze der Entwicklung von Impfstoffen gegen Sars-CoV-2 und welche Schritte dabei noch anstehen.

Infektionsforscher: Impfstoffentwicklung braucht mehr Förderung

Dafür spricht er in einem kurzen Interview auch mit der Medizinerin und Infektiologin Marylyn Addo, in deren Forschungsteam er mitarbeitet und die aktuell auch an einem Sars-CoV-2-Impfstoff arbeitet. Schließlich zieht er noch ein Fazit und erklärt, was seines Erachtens getan werden müsste, damit künftig im Fall von Pandemien schneller Impfstoffe zur Verfügung stünden. Eine Forderung: mehr Förderung für prophylaktische Impfstoffforschung.

"Es ist auch sehr wichtig, sich jetzt schon Gedanken darüber zu machen, was wir aus der aktuellen Covid-19-Pandemie lernen können."
Till Koch, Arzt und Infektiologe
Till Koch
© Sergio Gomez-Medina

Till Koch arbeitet als Arzt am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf und ist außerdem Forscher. Am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, ebenfalls in Hamburg, ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Klinische Infektionsimmunologie, die von der Infektiologin Marylyn Addo geleitet wird. Für das Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) bereiten beide gerade eine Studie vor, in der ein Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus im Menschen erprobt wird. Außerdem betreibt Till den Podcast Infektiopod.de zu Erkrankungen durch Viren, Bakterien, Parasiten und anderen Krankheitserregern.

Diesen Vortrag hat er in zwei Teilen extra für den Hörsaal gehalten. Der erste Teil dreht sich um die Geschichte und den aktuellen Stand der Impfstoffentwicklung allgemein – er ist hier zu hören. Beide Teile gibt es jeweils auch als Ausgabe des Infektiopods.

Podcast zur Sendung
  • Hörsaal
  • Moderation:  Katrin Ohlendorf
  • Vortragender:  Till Koch, , Arzt am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf und Infektionsforscher am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
  • Interviewpartnerin:  Marylyn Addo, Oberärztin und Professorin für Emerging Infections am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und Leiterin der Sektion Infektiologie im Uniklinikum Hamburg-Eppendorf