Alba wurden die Chaos-Ecken in ihrer Wohnung zu viel. Sie hat ausgemistet und ist motiviert weiterzumachen. Denn: Aufräumen tut unserer Psyche gut. Wie und wo wir dabei anfangen, dazu gibt eine Expertin Tipps.
Für Alba ist der Tag manchmal schon gelaufen, bevor er überhaupt begonnen hat. Das passiert dann, wenn sie vor einem vollen Kleiderschrank steht und darin nichts findet. "Ich habe mich bestimmt wochenlang jeden Morgen darüber aufgeregt, wie unorganisiert und zugemüllt mein Schrank ist", sagt sie.
Dann hat Alba beschlossen: Damit soll jetzt Schluss sein. Sie will ausmisten – und zwar die gesamte Wohnung. Der Kleiderschrank, die Küche und die Vorratskammer sind ihre größten Chaos-Ecken.
"Ich habe mich bestimmt wochenlang jeden Morgen darüber aufgeregt, wie unorganisiert und zugemüllt mein Schrank ist."
Ausmisten im Kopf
Die vielen Dinge in ihrer Wohnung stressen sie. Sie fühlt sich davon überstimuliert. Ausmisten kann dann unserer Psyche helfen, erklärt Bastian Willenborg. Er ist Neurowissenschaftler und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
Viel Kram könne zu einer Reizüberflutung führen. Weniger Kram bedeute weniger Stress, was dem Gehirn und unserer Aufmerksamkeit wiederum guttut. Wenn wir ausmisten können wir zudem Selbstwirksamkeit erfahren, weil wir schon nach kleinen Schritten direkte Ergebnisse sehen.
"Ausmisten kann gut für die Psyche sein, weil es dazu führt, dass man weniger Reize hat."
Es geht hier aber um Balance. Positiv ist es nicht mehr, wenn es zu einer Zwangshandlung wird, sagt Bastian Willenborg. Funktionelles Chaos kann auch eine gute Sache sein. Generell gibt es das immer perfekt aufgeräumte Zuhause auch gar nicht, findet Sabine Nietmann. Sie ist Profi im Aufräumen: Sabine Nietmann ist Ordnungscoachin.
Ausmisten: How to
Ein bisschen Chaos, das wieder zurückkommt, gehört dazu. "Man lebt in den Wohnräumen und es ist ja auch schön, dass Leben da ist. Aber wenn man für sich ein bisschen reduziert und einen Weg gefunden hat, die Ordnung auch schön zu finden, dann fällt es leichter, diese Ordnung zu halten", sagt sie.
"Marie Kondō, die große Ordnungspäpstin, hat immer gesagt, dass man einmal nach ihrer Fasson aufräumen muss und dann nie wieder. Sorry, aber das ist Quatsch."
Ordnung schaffen: Wo anfangen?
Sabine Nietmann empfiehlt beim Aufräumen und Ausmisten immer klein anzufangen und mit etwas, zu dem wir keine emotionale Verbindung haben. Der Vorteil: Wir haben schnell einen Vorher-nachher-Effekt, der uns motiviert weiterzumachen. Sich direkt den Keller vorzunehmen oder einen Kleiderschrank kann dagegen überfordern. Daher: Kleine Schritte gehen. Gewürze sind ein super Beispiel, sagt die Expertin.
Die können wir sortieren, ausmisten und in einheitliche Gläser inklusive Beschriftung umfüllen. Ein Vorher-nachher-Bild kann zusätzlich für einen Schub Motivation sorgen. Ist das erledigt, können wir mit der nächsten Schublade weitermachen und uns so Stück für Stück vorarbeiten.
"Sich kleine Ziele zu setzen und möglichst mit etwas Unemotionalem anzufangen, ist der ultimative Tipp."
Für den Kleiderschrank hat die Expertin einen visuellen Tipp: Nach dem Ausmisten alle Bügel auf einer Kleiderstange in eine Richtung hängen. Wenn dann etwas aus der Wäsche kommt, dreht man den Bügel bei diesen Teilen in die andere Richtung. So zeigt sich optisch, welche Klamotten getragen werden oder auch nicht.
Kleidung, an der wir irgendwie noch hängen, aber nicht mehr tragen, können wir erst mal in einer Vielleicht-Kiste aufbewahren. Die Kiste schauen wir uns nach spätestens einem Jahr noch mal an. Was man daraus nicht getragen hat, kann dann auch gehen. Die Teile können wir beispielsweise an gemeinnützige Organisationen spenden.
Aufräumen leichter machen
Beim Aufräumen können wir uns auch Hilfe holen: von Freund*innen oder von Ordnungsexperten. Mit ihnen können wir Stücke aussortieren, die eine emotionale Bedeutung für uns haben. Das können zum Beispiel Erinnerungsstücke sein, die aber in einer Kiste verstauben. "Wir machen häufig den Fehler, dass wir den Keller oder die Rumpelkammer mit Dingen vollstellen, die wir irgendwann noch mal brauchen. Wenn wir sie aber jetzt nicht schätzen und ausstellen oder schön genug finden, werden wir das in 10, 15, 20 Jahren auch nicht machen", so Sabine Nietmann.
Sie rät daher dazu, lieber drei Lieblingsteile auszusuchen und für diese in der Wohnung einen Platz finden, als sie in den Keller zubringen und dort zu vergessen. Das Gleiche gilt auch digital: Statt hunderte Fotos auf dem Handy zu speichern, können wir ausgewählte Bilder zum Beispiel in einem Fotoalbum festhalten und uns vom Rest trennen. "Da kann man getrost auch radikal löschen, weil am Ende schaut man sich die 50.000 Bilder doch nicht mehr an", findet sie.
Alba hat nach ihrer Aufräumaktion bei sich beobachtet, dass sie in einen Flow gekommen ist. Sie möchte jetzt mit dem Keller und Dachboden weitermachen. Irgendwas gibt es immer, sagt sie.
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