Manche Leute sind aus politischen Gründen bzw. Überzeugung in der rechtsextremen Szene. Andere suchen dort Anerkennung. Kai Fischer hilft Menschen dabei, wieder dort rauszukommen. Haltung trägt zur Prävention bei, ist er überzeugt.

Gerade erst hat die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung bei rund acht Prozent der Befragten rechtsextreme Einstellungen ausgemacht. Bundesinnenministerin Nancy Faeser geht mit Verboten gegen rechtsextremistische Vereinigungen vor – zuletzt gegen die laut Faeser "zutiefst rassistische und antisemitische" Gruppierung Artgemeinschaft.

Ein Impuls für den Ausstieg aus rechtextremistischen Vereinigungen und Strukturen könnten Druck aus der sozialen Umgebung oder staatliche Sanktionen sein, sagt Kai Fischer. Er arbeitet für AussteigerhilfeRechts, das behördliche Ausstiegsprogramm der niedersächsischen Justiz.

Widerspruch als Ausstiegsimpuls

Kai Fischer empfindet die Entwicklung der letzten Jahre als bedrohlich, hat er uns erzählt. Stoßen rechtsextreme Äußerungen oder rechtsextremes Verhalten nicht auf Widerspruch, verringere sich auch die Wahrscheinlichkeit eines Ausstiegs.

"Ich bekomme nicht mehr diesen Druck von der Gesellschaft, dass meine Meinung nicht okay ist. Dann wird die Wahrscheinlichkeit auch geringer, aussteigen zu wollen."
Kai Fischer, AussteigerhilfeRechts

Das Ausstiegsprogramm, für das Kai Fischer arbeitet, steht Menschen mit "Bezügen zur rechtsextremen Szene" offen. Die Bezeichnung ist bewusst schwammig gewählt, sagt Kai Fischer. Für den Ausstieg gebe es keine bestimmten Voraussetzungen.

Viele Faktoren für Einstieg in rechtsextreme Szene

Zwar gebe es auch Menschen, die aus politischen Gründen in die rechtsextreme Szene einsteigen. Oftmals sei der Eintritt aber mit sozialer Ausgeschlossenheit und Ausgrenzung verbunden. Auch die Suche nach Anerkennung und Wertschätzung sei es, die Menschen der rechtsextremen Szene zuführe.

"Meldet euch bei uns. Ganz egal in welcher Verfassung ihr seid. Wir bieten jedem erst mal ein Erstgespräch an."
Kai Fischer, AussteigerhilfeRechts
Um den Einstieg in die rechtsextreme Szene zu vermeiden, hilft der Aufbau einer Medienkompetenz im Bildungsbereich, sagt Kai Fischer. Und als weitere präventive Maßnahme ein guter Geschichtsunterricht.

Schlussendlich komme es auf eine klare Haltung jedes einzelnen Menschen an: pro Demokratie und gegen menschenverachtende Aussagen. Leute, die Gefahr laufen, sich zu radikalisieren, bräuchten in ihrer Umgebung andere, die sich ihnen wertschätzend gegenüberstellen.

Korrekturhinweis: In der vorherigen Textfassung war als Arbeitgeber von Kai Fischer eine andere Aussteigerorganisation aufgeführt.

Shownotes
Rechtsextremismus
Ausstiegsbegleiter: "Wir bieten jedem ein Erstgespräch an"
vom 27. September 2023
Moderation: 
Diane Hielscher
Gesprächspartner: 
Kai Fischer, AussteigerhilfeRechts (Ausstiegsprogramm der niedersächsischen Justiz)