Obwohl die Proteste in Australien und Deutschland gegen die Steinkohlemine im australischen Queensland anhalten, rollen bereits die Bagger.

Der australische Bundesstaat Queensland ist schon ein großes Kohleland, sagt die ARD-Korrespondentin für die Region, Lena Bodewein. Dort soll das Carmichael-Steinkohlebergwerk entstehen, das sich laut dem indischen Investor Gautam Adani zu einer der weltweit größten Steinkohleförderung der Welt entwickeln soll.

Gigantisches Kohleabbau-Projekt im Kohleland Queensland

Der Abbau soll über und unter Tage stattfinden. Geplant sind sechs offene Gruben über Tage und fünf unter Tage. Nach der kompletten Erschließung sollen dort 60 Millionen Tonnen pro Jahr gefördert werden. Im Vergleich: Deutschland importiert 40 Millionen Tonnen Steinkohle pro Jahr. Die Mine wird in vollem Betrieb eine Fläche von rund 447 Quadratkilometer erreichen. Das ist mehr als das Fünffache des Hambacher Braunkohle-Tagebaus in Nordrhein-Westfalen mit seinen rund 85 Quadratkilometern.

Lena Bodewein ist durch Queensland gereist und sagt, dass sie viele Kohlegruben, Kohlestädte und Kumpel gesehen hat.

"Wenn man hier in die Kneipe geht, trifft man auf Menschen mit Kohle verschmiertem Gesicht, die von der Schicht kommen und erst mal eine Runde Billard spielen."
Lena Bodewein, ARD-Korrespondentin für Südostasien

Die Carmichael-Mine soll im Galilee-Becken entstehen, berichtet Lena Bodewein. Das sei ein riesiges Becken, das bislang noch nicht erschlossen worden sei. Die Gegner der Adani-Mine befürchten, dass wenn erst einmal die Riesenmine entstanden ist, auch der Rest des Beckens erschlossen wird und weitere Bergwerke entstehen werden.

Massive Proteste in Australien und Deutschland

Die Regierung in Queensland hat 2019 nach Prüfung aller Auflagen, des Umsiedlungsplans für eine gefährdete Finkenart aus der Region und der übrigen Umweltpläne die Genehmigung für den Bau des Kohlebergwerks erteilt. Seitdem würden in der Gegend die Bagger anrollen, sagt Lena Bodewein, die aber von Minen-Gegnern blockiert werden. Es hätte sich eine große Koalition gegen den Kohlebergbau gebildet, die sich regelmäßig treffe, um die Bauarbeiten zu behindern. Geplant ist, dass die Mine 2021 in Betrieb geht und von da an weiter ausgebaut wird.

Die australische Regierung hält den Minen-Gegner bislang, dass die Kohle hauptsächlich nach Indien exportiert und dort verbrannt werde und in Australien selbst gar keine CO2-Emissionen entstünden, sagt Lena Bodewein, "in einer grotesken Verkennung des globalen Klimawandels".

Die Stop-Adani-Alliance-Bewegung habe dagegen ausgerechnet, dass der Kohleabbau bei voller Auslastung jedes Jahr viermal so viel CO2-Emissionen verursacht, wie Australien selbst. Dabei landet Australien schon jetzt auf Platz vier der Länder mit den weltweit höchsten CO2-Emissionen pro Kopf und Jahr: 15,63 Tonnen. Im Vergleich: Deutschland liegt auf Platz 11 mit 8,7 Tonnen CO2.

Der Adani-Konzern verteidigt den Abbau, damit, dass es sich in der Mine um thermische Kohle handele, die qualitativ besser sei als die, die Indien vorkomme. Die Kohle aus der Carmichael-Mine hätte einen besseren Brennwert.

Adani-Mine nur Abschreibungsprojekt?

Es gebe aber auch Experten, die vermuten, dass die Mine für den Konzern ein Abschreibungsprojekt sei, der auf hohe Entschädigungssummen spekuliere, wenn dem Bau der Kohlemine von staatlicher Seite die Genehmigung entzogen werden würden.

"Es könnte sein, dass Adani darauf setzt, dass irgendwann dieses Projekt geknickt wird und dass sie dann eine große Abfindung vom Staat bekommen."
Lena Bodewein, ARD-Korrespondentin für Südostasien

Die Adani-Mine-Gegner kritisieren nicht nur die Mine, sondern auch weitere Auswirkungen. So liegt der Hafen, zu dem die Kohle per Eisenbahnverbindung transportiert werden soll und für die Siemens die Signalanlage bauen soll, direkt gegenüber des Great Barrier Reef. Die Kohleschiffe sollen durch das Riff fahren. Der Adani-Konzern behaupte, dass sei ein sicherer Transportweg. Es hat aber in der Vergangenheit allerdings schon Schiffe gegeben, die auf das Korallenriff aufgefahren sind und es beschädigt haben. Und das in einer Region, die ohnehin schon durch die Erderwärmung massiv gefährdet ist.

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Außerdem muss für den Kohleabbau das Grundwasser abgepumpt werden. Das könne zu einer Zerstörung der umliegenden Feuchtgebiete und einer Verringerung der Artenvielfalt führen. Die Dürre könnte durch den gesunkenen Grundwasserspiegel noch intensiver werden.

Trotz der Proteste in Australien und in Deutschland hält Siemens daran fest, die Signalanlage zu bauen. Denn an der geplanten Mine rüttelt die liberale Regierung unter Scott Morrison nicht. Die Liberal Party of Australia gehört zu den Kohlebefürwortern, sagt Lena Bodewein. Der Kohleabbau ist für sie ein unabdingbarer Bestandteil der australischen Wirtschaft.