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2. September 1986: In Ost-Berlin gründen junge Männer und Frauen im Keller der evangelischen Zionskirchengemeinde eine Bibliothek als Ort des Wissens und der Opposition gegen das DDR-Regime. Ein historischer Ort, denn in der Zionskirchengemeinde hatte Pfarrer Dietrich Bonhoeffer gewirkt, der als Widerstandskämpfer gegen die NS-Diktatur am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet worden ist.

Einige Ereignisse waren der Gründung der Umweltbibliothek vorausgegangen: Im Januar hatte der KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow vorgeschlagen, alle Kernwaffen bis zum Jahr 2000 zu verschrotten. Einen Monat später forderte er beim 27. Parteitag der KPdSU mit den Schlagworten "Perestroika" und "Glasnost" eine neue "Freiheit" und eine vollständige "Umstrukturierung" des politischen und ökonomischen Systems.

Am 17. April wurde Michail Gorbatschow beim 11. SED-Parteitag als Hoffnungsträger gefeiert – eine Woche später kam es zur Nuklearkatastrophe von Tschernobyl.

Umweltbibliothek als Teil einer oppositionellen Bewegung

Die neu gegründete Umweltbibliothek war nicht auf Umweltthemen beschränkt, gleichwohl es in der DDR genügend Umweltprobleme gegeben hat. Sie war vielmehr Teil verschiedener oppositioneller Aktionen und Gruppen, die seit einigen Jahren in vielen Städten der DDR entstanden waren.

Dazu gehörte der "Soziale Friedensdienst", der für die Einführung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung eintrat. Zudem auch der Aufruf zum 13. Februar, der an die Bombardierung Dresdens im Februar 1945 erinnern und diese nicht dem Propagandaapparat der SED überlassen wollte. Oder auch die 1985 gegründete "Initiative Frieden und Menschenrechte" und die 1986 gegründete "Arbeitsgruppe Menschenrechte", die beide Menschenrechtsverletzungen in der DDR anprangerten.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Mit-Gründer der Umweltbibliothek Christian Halbrock erinnert an die Anfänge der Umweltbibliothek
  • Der Umweltexperte und Historiker Tobias Huff erläutert die Umweltsituation in der DDR
  • Der ehemalige DDR-Oppositionelle und Mit-Gründer des Bürgerbüros Berlin Ehrhart Neubert gibt einen Überblick über die Wirkung der DDR-Opposition
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld beschreibt die politische und gesellschaftliche Situation am Ende der DDR
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs über die Berliner Umweltbibliothek als Ort des Wissens und der Opposition