Bootsflüchtlinge mit Kurs auf Australien werden bereits auf dem Meer vom Militär abgefangen und in Lagern auf Nauru und Papua Neuguinea interniert. Die Bedingungen in den Lagern sind so verheerend, dass immer mehr Flüchtlinge sich aus Verzweiflung selbst verletzten.

Die Verschärfung der australischen Flüchtlingspolitik fand unter dem konservativen Premier Tony Abbott ihren Höhepunkt. 2014 gipfelte sie in einem Regierungsvideo mit dem Titel "No Way". General Angus John Campbel, Kommandeur der Küstenschutz-Missionen, erklärt potentiellen Flüchtlingen in mehreren Sprachen: "Du wirst nie in Australien leben können."

Zwar gab es im September 2015 einen Regierungswechsel, seit dem ist der liberalere Malcolm Turnbull Regierungschef. Doch an der rigiden Flüchtlingspolitik hat sich kaum etwas geändert. Bootsflüchtlinge werden auf dem Meer aufgegriffen und in Lagern auf Nauru und Papua Neuguinea interniert. Sie betreten erst gar nicht das australische Territorium. Dabei handelt es sich um rund 1000 Flüchtlingen. In den Lagern gehe es gewalttätig zu. Immer wieder wird über Aufstände der Flüchtlinge berichtet, die gegen die Gewalt von Sicherheitskräften protestieren. Das UN-Flüchtlingshilfswerk kritisiert die Lager als "raue" Einrichtungen. Es wird von Misshandlungen und schlechten Lebensbedingungen berichtet.

Verzweifelte Flüchtlinge

Nach Medienberichten kommt es immer häufiger zu Selbstverletzungen in den Lagern. Die Flüchtlinge würden Gift schlucken oder sich mit Messern verletzen. Unser Korrespondent Udo Schmidt sagt, dass allein das Asylverfahren rund zwei Jahre dauere. Im Schnitt verbringt ein Flüchtling 500 Tage im Lager. Aber selbst wenn er als Asylant anerkannt wurde, muss er in den Inselstaaten bleiben und darf nicht nach Australien reisen. In den Lagern befinden sich auch mehr als 100 Kindern seit über einem Jahr.

Australien hat mit Nauru und Papa Neuguinea Abkommen geschlossen und bezahlt für die Internierung der Flüchtlinge. Rechtlich sei dies legal, sagt unser Korrespondent, aber höchst umstritten.

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