Die verheerenden Waldbrände vor zwei Jahren im Südosten Australiens können sich auch negativ auf unsere Atmosphäre auswirken, stellt eine neue Studie fest.

Über mehrere Wochen dauerten die großen Waldbrände im Sommer 2019/ 2020* an, die vor allem die Wälder im Südosten Australiens verwüsteten. Als sogenannter Black Summer wird diese Naturkatastrophe bezeichnet.

Weil Großfeuer aufeinandertrafen, kam es auch zu sogenannten 'Megabränden'. Das hatte verheerende Folgen: Eine Fläche von 170.000 Quadratkilometern verbrannte. Ein Gebiet, das fast halb so groß wie Deutschland ist.

Es gab mehr als 30 Tote und mehr als eine Milliarde toter Tiere. Die Menschen in Großstädten wie Sydney hatten mit dem Rauch zu kämpfen. An den Folgen der Rauchentwicklung sind, laut Experten, deutlich mehr Menschen gestorben.

"Der war selbst für das Feuer gewohnte Australien extrem. Über Wochen konnten mehrere große Brände nicht gelöscht werden."
Britta Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Nicht nur für akut bedrohte Menschen und Tiere sind die Waldbrände gefährlich. Der entstandene Rauch richtete auch Schaden in unserer Atmosphäre an, wie eine neue Studie im Fachjournal Science nachgewiesen hat.

Denn bei starken Wald- und Buschbränden dieser Art können sich durch den Rauch riesige Wolken bilden, sogenannte Pyrocumulonimbus-Wolken. Diese Wolken können beispielsweise auch bei starken Vulkanausbrüchen entstehen.

Diese Pyrocumolonimbus-Wolken sind aus mehreren Gründen gefährlich: Einerseits, weil es sich dabei um Gewitterwolken handelt, die durch Blitze neue Feuer auslösen können. Andererseits funktionieren sie wie eine Art gigantischer Schornstein und transportieren in kurzer Zeit Rauch und Ruß mehrere Kilometer hoch in die Atmosphäre.

Brandwolken, die wie gigantische Schornsteine funktionieren

Teilweise reichen diese Brandwolken bis in die untere Stratosphäre, das ist die zweite Schicht unserer Atmosphäre. Sie enthält die Ozonschicht, die uns Menschen und andere Lebewesen vor der UV-Strahlung schützt.

Die Forschenden haben sich angesehen, welche chemischen Reaktionen durch den Rauch und Ruß ausgelöst werden, den die Pyrocumolonimbus-Wolken in die Stratosphäre transportieren. Dabei haben sie festgestellt, dass beispielsweise bestimmte Chlorverbindungen entstehen, die das Ozon zerstören können.

Aufgrund dieser Erkenntnis warnen die Forschenden auch davor, dass das die Ozonschicht gefährden könnte, die sich zwischenzeitlich wieder regeneriert hatte. Denn es ist zu erwarten, dass die Erderwärmung ein Grund dafür sein kann, dass künftig häufiger extreme Waldbrände entstehen werden.

"So heftige Waldbrände wie der Black Summer in Australien sorgen wohl für Störungen in der Atmosphärenchemie, auch beim Ozon, und möglicherweise verzögert sich deshalb die Erholung der Ozonschicht."
Britta Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Für ihre Studie haben die Forschenden Satelliten-Daten während und kurz nach dem sogenannten Black Summer ausgewertet. Dadurch ist es ihnen gelungen, die Menge von Ozon und von den ozonschädigenden Stoffen in der Atmosphäre nachzuvollziehen.

Veränderte Daten für Stratosphäre nach Bränden

Die Daten zeigen bereits Veränderungen an: Ob das allerdings schon bedeutet, dass die Ozonschicht gefährdet ist, kann bisher nicht eindeutig beantwortet werden. Auch andere Forschende, die nicht an der Studie beteiligt waren, haben sich diese Studienergebnisse angesehen und sind vorsichtig mit ihren Aussagen, weil es beispielsweise Ungenauigkeiten bei den Messungen gibt.

Zudem ist es schwer zu beurteilen, ob es sich bei einer Entwicklung in einem speziellen Jahr um einen Ausreißer handelt und sich die Werte im folgenden Jahr möglicherweise wieder gegenläufig entwickeln.

Künftig mehr und auch heftigere Waldbrände erwartet

Ein Fazit, das die Forschenden ziehen: Heftige Waldbrände, wie während des Black Summer in Australien, sorgen wohl tatsächlich für Störungen in der Atmosphärenchemie - das gilt auch für das Ozon. Möglicherweise verzögert sich deshalb die Erholung der Ozonschicht.

Nach bisherigen Schätzungen dürfte die Ozonschicht sich ansonsten bis etwa zur Mitte des 21. Jahrhunderts regeneriert haben. Um die Auswirkungen sicher einschätzen zu können, wollen Forschende die Entwicklung der kommenden Jahre abwarten. Denn es gibt auch noch andere Faktoren, die auf den Zustand der Ozonschicht einwirken können.

* Auf der Südhalbkugel sind die Jahreszeiten kalendarisch um ein halbes Jahr versetzt. Der Jahreswechsel fällt in Australien dementsprechend auf den Sommer.