Menschen mit Autismus können Reize in ihrer Umwelt kaum ausblenden. Ungefiltert strömt alles auf sie ein und das macht es ihnen schwer, sich auf Dinge wie das Einkaufen im Supermarkt zu konzentrieren. Eine Supermarktkette wird deshalb für eine Stunde in der Woche zur Ruhezone.

Eine neuseeländische Supermarktkette will in ihren 180 Filialen jeden Mittwoch gegen Mittag für eine Stunde das Licht dimmen und die Musik abschalten. Lageristen sollen in dieser Zeit eine Pause machen. Ähnliche Aktionen gibt es auch in anderen Ländern. So sollen Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen unterstützt werden.

Supermarkt: mehr Ruhe für alle gut

Für Menschen mit autistischen Störungen sei es eine Hilfe, wenn Hintergrundgeräusche wie Musik oder Werbedurchsagen in Supermärkten abgeschaltet werden, sagt Fabian Diekmann. Er ist Fachreferent beim Selbsthilfeverband Autismus Deutschland e.V.. Das gebe ihnen die Ruhe, um sich auf ihren Einkauf zu konzentrieren.

Von solchen Ruhephasen in Supermärkten würde auch Menschen profitieren, die keine autistische Störung haben und einfach nur gestresst, älter oder an einer psychischen Störung erkrankt sind.

"Vor Weihnachten gibt es in den Einkaufspassagen und Supermärkten eine absolute Reizüberflutung. Da muss man nicht Autismus haben, um das anstrengend zu finden."
Fabian Diekmann vom Selbsthilfeverband Autismus Deutschland e.V.

Für Menschen im Spektrum sei die Schwierigkeit, dass viele Dinge im Supermarkt gleichzeitig passieren, erklärt Fabian Diekmann. Viele Menschen auf engem Raum verursachen Stress. Einige Supermärkte haben darauf reagiert und ihre Warenaufstellung entzerrt. Oder sie machen die Regale niedriger, um eine bessere Übersicht zu ermöglichen und ein anderes Raumgefühl zu erzeugen.

Bei Stress gelingt es kaum, Reize wegzufiltern

Teilweise sind Menschen mit Autismus hypersensibel, sagt Fabian Diekmann, weil sie die Reize in ihrer Umgebung nicht filtern können. Menschen außerhalb des Spektrums seien in der Lage, unwichtige Reize "wegzufiltern". Diese Fähigkeit leidet aber unter Stress, erklärt er, weil dann das Gehirn mit anderen Dingen beschäftigt sei. Wird der Reizfluss verringert oder unterbunden, hat das Gehirn wieder mehr Kapazitäten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sagt Fabian Diekmann.