Ein Nebeneffekt vom neuartigen Coronavirus ist, dass viele von uns mehr freie Zeit als sonst haben, die wir Zuhause verbringen. Unser Reporter Stephan Beuting hat diese Zeit genutzt, um was Neues zu lernen und hat seinen Autoscheinwerfer repariert.

Bis zu 60 Euro kostet es, mit einem defekten Abblendlicht erwischt zu werden. Aber zwei Wochen lang ist Stephan noch mit dem beschädigten Scheinwerfer rumgefahren. Obwohl er die zwei H7-Lampenfassungen, die er dafür braucht, schon längst besorgt hatte.

Das Problem: Er hadert mit dem Gedanken, ob er es selber machen oder eine Werkstatt aufsuchen soll. Der ADAC hat dazu ein sechs-minütiges Video ins Netz gestellt. Darin heißt es: "Diese Aufgabe kann leichte Gemütszustandsveränderungen hervorrufen. Das ist nicht wirklich leicht, das kann fummelig werden. Andererseits, dafür in die Werkstatt fahren, kann ich nicht wirklich empfehlen."

"Genau da bin ich: zu geizig für die Werkstatt und zu ängstlich, festzustellen, dass ich ewig brauchen werde und am Ende mehr kaputt ist als vorher."
Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Stephan hat einerseits keine Lust, viel Kohle in der Werkstatt zu lassen, aber er hat auch die Befürchtung, dass am Ende mehr kaputt ist als vorher. Und vor allem hat er Angst vor den dann garantiert folgenden Kommentaren und Vorwürfen, warum er denn nicht professionelle Hilfe geholt habe.

Matthias Burchardt, Pädagoge und Philosoph, sagt, genau das sei etwas, was zum Lernen dazugehört: "Ich mache Fehler und aus diesen Fehlern lerne ich wiederum."

Stephan findet, dass wir beim Thema Fehler etwas genauer hinschauen sollten. Klar gehören Irrtümer dazu, aber er erinnert sich auch an Fehler, die ihm bis heute peinlich sind. Jahre später noch.

Oft lernen wir, aber es gibt auch peinliche Fehler

Einmal wollte er zum Beispiel das Gehäuse seines Autoschlüssels wechseln. Ein Freund hatte noch geraten, die Sache vom Fachmann machen zu lassen. Aber es sah so einfach aus. Also hat Stephan das Gehäuse für 10 Euro bestellt, die Innereien gewechselt und alles wieder zusammengepresst.

Und dann sprang der Wagen nicht mehr an. Das Problem: Ein stecknadelkopfgroßes Teil fehlte. Stephan hatte den Transponder, der die Wegfahrsperre entriegelt, nicht beachtet und mit der alten Hülle weggeschmissen.

Die Bilanz dieses autodidaktischen Unternehmens:

  • zwei Stunden Gefummel
  • eine Stunde Telefonat mit jemandem, der Ahnung hat
  • eine Stunde erfolgloses Mülltonnendurchwühlen
  • zwei Stunden Korrespondenz mit dem Schlüsseldienst
  • und schließlich die Rechnung: 130 Euro.
"Autodidakt sein muss man sich leisten können."
Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Auch beim Reparieren des Abblendlichts gibt es einen Rattenschwanz an Hindernissen: Um an die Glühbirne heranzukommen, muss die Batterie raus. Und um die Batteriehalterung zu lösen, fehlt Stephan das passende Werkzeug. Wie es halt so läuft.

"Eigentlich leben wir im Zeitalter der Autodidakten, das Netz ist im Prinzip voll davon."
Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Dabei müsste man meinen, dass es nie einfacher war, Autodidakt zu sein, denn das Netz ist voll mit Anleitungen und Tutorials. Menschen können was oder probieren so lange aus, bis sie es so gut können. Dann drehen sie ein Video, laden es hoch und alle, die es anschauen, können dabei etwas lernen.

Kaufentscheidungen und Zeitvertreib sind häufige Motive, um sich Videos im Netz anzusehen, aber die meisten schauen sich Anleitungen an. Hilfen, die etwas erklären, was wir vorher noch nicht gemacht haben. Das zumindest belegt eine Studie des PEW-Research-Centers.

"Yes, es leuchtet. Abblendlicht. Selber gemacht."
Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Trotz aller Bedenken und Hindernisse bekommt Stephan es am Ende tatsächlich hin, den Scheinwerfer zu reparieren. Das Ergebnis: ein funktionierendes Auto und ein extrem gutes Gefühl, es selbst hinbekommen zu haben. Der Pädagoge und Philosoph Matthias Burchardt sagt: "Alles, was ich kann, das macht mich stark, und das ist in allen Zeiten sinnvoll."