Abgesagte Veranstaltungen und Kontaktbeschränkungen, stattdessen zu Hause bleiben und sich selbst leidtun: Die Corona-Umstände haben Aron Boks am Anfang sehr belastet. Er verrät uns, warum er ab und zu in Selbstmitleid verfällt.

Musik hören, die ihn in eine melancholische Stimmung versetzt hat, emotionale Filme schauen und sich dabei immer weiter in das eigene Selbstmitleid steigern: Im Frühjahr hatte Aron Boks einiger solcher Momente, denn Corona und alle Begleiterscheinungen sind ihm wie eine große Ungerechtigkeit vorgekommen.

Aron musste als Autor und Poetry Slammer mit beruflichen Einbußen klar kommen, außerdem konnte er als Kulturjunkie nicht mehr ins Theater und in Clubs gehen. Und obwohl um ihn herum viele Menschen mit den gleichen Dingen gekämpft haben, hat ihm das nicht geholfen: "Ich konnte mein Selbstmitleid nicht teilen, weil alle betroffen waren."

"Es war Hilflosigkeit: Ich wusste, dass es mir nicht allein so geht und ich hier in Deutschland noch in einer guten Lage bin."
Aron Boks, Autor und Poetry Slammer

Der 23-Jährige ist sich bewusst, wie ernst die gesamte Situation ist und dass ihm Selbstmitleid an dieser Stelle nicht weiterhilft. Gemeinsam mit Freundinnen und Freunden hat er versucht Strategien zu entwickeln, um sie alle aus ihrem Tief zu befreien.

Ihre erste Lösung ist ein Kulturplan: "Wir haben uns gegenseitig Theaterstücke vorgelesen und Filme gestreamt." Aron wohnt zum Glück in einer großen WG und hatte auch in der strengsten Corona-Phase noch genügend soziale Kontakte.

Im Zwiespalt: Zu Raves gehen oder es sein lassen?

Ein paar Wochen später, als in Berlin auch langsam die Kontaktbeschränkungen gelockert wurden und im Park Hasenheide regelmäßig illegale Raves stattfinden, geht auch Aron mit seinen Leuten dort vorbei. Obwohl er große Lust auf Feiern und Tanzen hat, begleitet ihn ein mulmiges Gefühl. Aber er und die anderen bestätigen sich, dass es schon ok ist, dort mal vorbei zu gucken: "Es war so ein typisches gegenseitiges beschwichtigen."

Sie nehmen sich vor, zu anderen Abstand zu halten und schnell zu gehen, wenn es ihnen zu voll wird. Doch die große Polizeipräsenz stürzt die Gruppe in den nächsten Anflug von Selbstmitleid und sie können die lange ersehnte Party kaum genießen: "Wir dachten, wie übertrieben, die gönnen uns den Spaß nicht."

"Es ist gut zu merken, dass wir im Selbstmitleid stecken. Denn dann können wir ein Ventil dafür finden."
Aron Boks, Autor und Poetry Slammer

Über genau diesen inneren Konflikt der Generation Z, also allen Menschen, die zwischen 1994 und 2010 geboren sind, hat Aron das Theaterstück "Mega Stress" geschrieben. Darin kämpft ein Typ auch mit Selbstmitleid, obwohl es kaum valide Gründe dafür gibt.

Das Stück spielt ironischerweise in einem Club und die Hauptfigur kann diesen einen Partyabend auch nicht so richtig genießen: "Er bemitleidet sich die ganze Zeit, aber ist eigentlich in einer extrem privilegierten Situation."

Aron Boks persönliches Fazit ist, dass zu viel Selbstmitleid egoistisch sein kann, vielen Leuten aber auch durch Krisen hilft. Er rät allen Menschen, die gerade in einer ähnlichen Situation sind, sich mit anderen zu unterhalten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.