Wissenschaftliche Expeditionen galten lange als etwas sehr Positives. Neue Regionen der Welt wurden erschlossen und erforscht – zumindest aus europäischer Perspektive. "Doch die Expeditionen haben auch die Kolonialmächte unterstützt", sagt Autor Christopher Kloeble.

In Christopher Kloebles aktuellem Roman "Das Museum der Welt" spielt der Waisenjunge Bartholomäus die Hauptrolle. Dieser begleitet die wissenschaftliche Expedition von Hermann, Adolph und Robert Schlagintweit. Die Brüder aus Bayern sind 1854 tatsächlich im Auftrag der East India Company aufgebrochen, um Zentralasien zu vermessen und zu erforschen. Empfohlen wurde das Trio vom großen Forschungsreisenden Alexander von Humboldt.

"Ich muss mich in verschiedene Seelenleben hineinfinden."
Autor Christopher Kloeble

Auf ihrer Expedition haben sich die drei Reisenden unter anderem auf Sänften herumtragen lassen. Insgesamt haben sie rund 40.000 Objekte gesammelt, darunter Baumstämme, ausgestopfte Tiger und Gesichtsmasken der lokalen Bevölkerung. "Die wurden später auch benutzt, um die Bevölkerung rassistisch einzustufen", sagt Christopher Kloeble, der für seine Roman umfassend recherchiert und selbst einige Zeit in Neu-Delhi gelebt hat.

"Man muss sich nicht für alles schuldig fühlen, man muss aber den Zusammenhang erkennen."
Autor Christopher Kloeble

Insgesamt waren die Brüder Schlagintweit drei Jahre lang unterwegs, um Informationen zu sammeln. Die haben wiederum vor allem der Kolonialmacht Großbritannien dabei geholfen, ihre Macht vor Ort zu festigen. "Wissen war eben das Wichtigste", sagt Kloeble.

Die drei Brüder habe einerseits die Neugier, das echte Erkenntnisinteresse angetrieben. Andererseits hätten auch sie die Ansicht vertreten, dass die Weißen jetzt mal Ordnung schaffen müssten. "Diese Haltung gibt es bis heute", sagt Kloeble. "Nach dem Motto: Schau mal, die kriegen ihre Probleme nicht hin." Was als Arroganz der Kolonialmächte nach der europäischen Aufklärung begann, existiere auch heute noch.

"Wir hatten zwar die Aufklärung in Europa, danach hatten wir aber auch noch zwei Weltkriege."
Autor Christopher Kloeble

In Eine Stunde Talk erzählt Christopher Kloeble, warum er sich dazu entschieden hat, einen Roman über die Expedition der Schlagintweits zu schreiben, was es mit dem Great Game in Zentralasien auf sich hat, und warum einer der drei Brüder nicht zurückgekommen ist.