Erstmals haben wir 2016 mehr Energie fürs Kühlen von Gebäuden, Fleischtransporten oder Lebensmitteln verbraucht als fürs Heizen. Der Kulturwissenschaftler Stefan Höhne spricht in seinem Vortrag über die Geschichte der Kühltechnik und Klima- und Umweltforscher Florian Jehn erklärt, warum wir die 1,5-Grad-Grenze bei der globalen Erderwärmung überschreiten werden und was wir dagegen tun können.

Wie kann die globale Erwärmung gestoppt werden, wenn wir so viel Energie zur Kühlung aufbringen müssen, um die aktuellen und künftigen Hitzeperioden ertragen zu können?

Andererseits ist Kühlung und Kühltechnik in den letzten beiden Jahrhunderten zu einem grundsätzlichen Bestandteil unseres Lebens geworden. Eine Küche ohne Kühlschrank, ein Auto oder ein Arbeitsplatz ohne Klimaanlage – für viele zählt diese Art der Ausstattung hierzulande zu den Grundstandards, die nicht hinterfragt und meist als selbstverständlich erachtet werden.

Anfänge der Kühltechnik

Der Kulturwissenschaftler Stefan Höhne blickt auf die Anfänge der modernen Kühltechnik zurück, die im Amerika des 19. Jahrhunderts liegen. Sie beginnt mit Gardinen vor den Fenstern und von der Zimmerdecke herabhängenden Eimern, die mit Eisblöcken gefüllt wurden. Gut hundert Jahre später donnern wir viele Kilowattstunden Strom in hochmoderne Klimaanlagen, die uns dazu zwingen, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

"So ist die weltweit rasant wachsende Nachfrage nach Klimakühlung mit Nebenwirkungen von wirklich dramatischem Ausmaß verbunden."
Stefan Höhne, Kulturwissenschaftler

Der Umwelt- und Klimaforscher Florian Jehn befasst sich schon seit vielen Jahren mit den Sachstandsberichten des Weltklimarates. Er kritisiert, dass sich sowohl Forschende als auch Regierungen in erster Linie mit der Grenze für die globale Erderwärmung von 1,5 bis 2 Grad befassen. Diese ist auch so im Pariser Abkommen von 2015 festgeschreiben worden.

Diese Grenze noch einhalten zu können, hält Florian Jehn inzwischen für unrealisitisch. Er geht davon aus, dass die globale Erderwärmung deutlich höher ausfallen wird.

Globale Erderwärmung werde nicht an 1,5-Grad-Grenze stoppen

Der Klimaforscher rechnet eher damit, dass der Temperaturanstieg im Mittel zwischen 2 und etwas unter 4 Grad liegen dürfte.

Doch er verrät in seinem Vortrag auch, was jeder von uns dagegen tun kann: So gebe es, neben zu Fuß zu gehen und die Ernährung umzustellen, noch weitere Möglichkeiten.

"Zwar freue ich mich über jede Person, die kein Fleisch mehr isst oder bereit ist, auf ein Auto zu verzichten, aber das wird nicht reichen."
Florian Jehn, Umwelt- und Klimaforscher 

Außerdem spricht Florian Jehn über Entwicklungen, über die im Moment noch nicht genügend diskutiert werde: Ab 35 Grad Außentemperatur schafft es der Mensch nicht mehr, sich genügend herunterzukühlen. Deshalb werden wir, bedingt durch den Klimawandel, in Europa viel mehr Hitzetote zu beklagen haben als in der Vergangenheit.

Der Vortrag

Der Kulturwissenschaftler Stefan Höhne hat seinen Vortrag "Kulturen der Kälte – Kryopolitik, Klimakontrolle und wohltemperierte Körper" am 05. Juli 2022 in der Reihe "Live aus dem Gartensaal" des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen gehalten.

Florian Jehn, Forscher an der Justus-Liebig-Uni in Gießen, spricht über die Faktoren, die zum Klimawandel beitragen. Er stellt sich die Frage: "Erderwärmung von mehr als 2 Grad: Wie besorgt sollen wir sein?“. Seinen Vortrag hat Florian Jehn exklusiv für Deutschlandfunk Nova eingesprochen. Er entwickelt zusammen mit anderen Forscherinnen und Forschern Modelle der globalen Erderwärmung.