Auf der Suche nach dem entspanntesten Orgasmus hat sich die Journalistin Henriette Hell einmal rund um den Globus gevögelt. Ziel war Sex ohne Leistungsdruck - kommen oder auch nicht kommen - Hauptsache mit Spaß im Bett. Zwei Jahre hat das Projekt in Anspruch genommen. Judith Ebert spricht mit ihr über ihre Ergebnisse.

Henriette Hell ist zwei Jahre lang auf vier Kontinenten und durch elf Länder gereist. Dabei hatte sie mit ungefähr 20 Männern Sex. Immer mit der Mission im Hinterkopf, entspannt kommen zu können oder eben nicht, wenn es die sexuellen Umstände nicht zulassen sollten.

"Ich war vom roboterhaften Gerammel der New Yorker ziemlich desillusioniert und habe schnell meine sieben Sachen gepackt."

Henriette Hell hat generell viel Lust auf Sex, bezeichnet sich selbst als experimentierfreudig und war auch schon als Teenager sexuell sehr aktiv. Seitdem beobachtet sie - nach eigenen Worten - sich selbst, ihren Körper und warum es ihr so schwer fällt, beim normalen Rein-Raus zu kommen. Das gelingt nämlich nicht immer ohne weiteres.

Das Nicht-Kommen ist immer noch ein Tabu

Damit befindet sie sich eigentlich in guter Gesellschaft. Denn bei einem Drittel der deutschen Frauen ist das so. Es traut sich nur kaum eine offen darüber zu reden, weil das Nicht-Kommen in unserer sexualisierten Gesellschaft als ein Tabu oder Makel begriffen wird. Mit "Achtung, ich komme!" will Henriette Hell jetzt ein Plädoyer in Buchform halten - für mehr Gelassenheit und Spaß im Bett, statt Druck und Selbstzweifel.

"Welche Nationalität hat dich denn sexuell am meisten überrascht?"
Judith Ebert, Moderatorin
"Die Israelis, weil ich das Gefühl hatte, dass die Spaß daran haben, den Körper jeder individuellen Frau zu entdecken. Dass die Spaß haben am Sex an sich."

Das Ende der Beziehung zu ihrem Ex-Freund ist der Anfang ihrer Mission, beziehungsweise Reise. Denn der Orgasmus-Druck, den der Typ beim Sex aufgebaut hatte, war ihr einfach zuviel. Henriette - eigentlich schwer verliebt - ist dermaßen genervt von seiner Idee von einem "richtigen Orgasmus", dass sie Schluss macht und sich entschließt, auf Weltreise zu gehen. Sie schmeißt ihren Job, plündert das Sparbuch und macht sich auf zu ihrem Selbstfindungstrip, mit dem Ziel in anderen Kulturen entspanntere Männer und einen entspannteren Umgang mit dem Orgasmus zu finden.

Die Explosion

Und den findet sie auch. Nicht gleich in Indien, wo die junge, rothaarige, allein reisende Europäerin als Pornostar betrachtet wird, sondern in Italien, wo sie einen nicht mehr ganz jungen Busfahrer trifft, der es ihr sadomasomäßig besorgt. Henriette kommt gleich mehrmals, sie explodiert förmlich, ist überrascht und äußerst zufrieden.

Henriette Hell mit ihrem Buch in der Hand
© dpa
Henriette hat ihr Buch dieses Jahr auf der Buchmesse in Leipzig vorgestellt.