Trump, Putin, Erdoğan, Orban – die Liste der autoritären Führer unserer Zeit wird immer länger. Was auffällt: Es sind alles Männer. Ist das ein Zufall oder besteht eine Verbindung zwischen autoritärer Politik und Männlichkeitsvorstellungen? Auf einer Tagung an der Universität Freiburg wurde diese Frage diskutiert.

Politikwissenschaftlerin Birgit Sauer beschreibt in ihrem Vortrag die Rolle von Maskulinismus für die politische Mobilisierung der autoritären Rechten. Diese maskulinistische Identitätspolitik inszeniert Männer als Opfer, um Angst und Unsicherheit zu streuen, erklärt die Politikwissenschaftlerin.

"Rechtsautoritärer Maskulinismus inszeniert sich ambivalent. Eine Ambivalenz zwischen einerseits Opfer sein und andererseits sich aus diesem Opfersein herauszuheben und Heroismus und Führerschaft darzustellen."
Birgit Sauer, Politikwissenschaftlerin

Zudem wird ein drohender Verlust von Männlichkeit in der Gesellschaft heraufbeschworen, der ein Gefühl des Kontrollverlusts über das eigene Leben auslösen soll, so Birgit Sauer weiter. Ziel sei ein Wir-Gefühl und eine Identifikation mit der autoritären Rechten.

"Das Ziel der autoritär rechten Mobilisierung ist kulturelle Hegemonie und die Eroberung politischer Macht."
Birgit Sauer, Politikwissenschaftlerin

Die Narrative populistischer Regierungen

Der zweite Vortrag kommt von Sandra Destradi. Sie ist Politikwissenschaftlerin an der Universität Freiburg. In ihrem Vortrag erklärt sie, inwieweit populistische Regierungen Narrative der Maskulinität nutzen, um in Bezug auf außenpolitische Themen zu mobilisieren. Dafür vergleicht sie die Rhetorik von zwei indischen Präsidenten im Kaschmir-Konflikt.

"Konventionelle Formen der politischen Repräsentation werden als verweichlicht und nicht effektiv dargestellt."
Sandra Destradi, Politikwissenschaftlerin

Der Vortrag von Birgit Sauer heißt "Starke Männer, Opfer und maskulinistische Identitätspolitik der autoritären Rechten". Der Vortrag von Sandra Destradi heißt "Populismus, Maskulinität und Außenpolitik: der Fall Indien". Beide Vorträge wurden am 24. März 2022 auf der Tagung "Starke Männer – Figuren disruptiver Politik in transnationaler Perspektive" des Sonderforschungsbereichs 948
"Helden - Heroisierungen - Heroismen"
gehalten."

Korrektur: In einer früheren Version des Audios war von Sebastian Kurz als aktuelles Beispiel eines autoritären Herrschers in Österreich die Rede. Sebastian Kurz ist seit Oktober 2021 nicht mehr im Amt. Wir haben die Passage aus dem Audio entfernt.