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Die Pandemie trifft die Wirtschaftsbranchen unterschiedlich stark und damit auch die Auszubildenden. Manche Betriebe sind geschlossen und Berufsschulen bieten teils noch nicht einmal digital Unterricht an. Cosima Steltner arbeitet bei Thyssenkrupp und setzt sich für Auszubildende ein: Sie ist in den Bundesjugendausschüssen der IG Metall Jugend und DGB Jugend.

Dass die Pandemie nun schon elf Monate anhält, ist auch für Auszubildende eine besondere Situation, sagt Cosima Steltner (21). Eine Ausbildung dauert drei oder dreieinhalb Jahre, da sind elf Monate entscheidend. Und noch ist die Pandemie längst nicht vorbei.

"Eine Ausbildungsdauer ist begrenzt auf drei bis dreieinhalb Jahre. Wenn man in der Zeit nicht die Ausbildungsinhalte vermittelt bekommt, dann sieht es sehr schlecht aus."
Cosima Steltner, Bundesjugendausschüsse von IG Metall Jugend und DGB Jugend

Doch je nach Branche und auch Größe des Betriebes sind die Probleme und Herausforderungen der Azubis unterschiedlich groß. In manchen Bereichen ist die duale Ausbildung – also die Mischung aus Betriebspraxis und Berufsschule – kaum möglich. Zum Beispiel in Hotels oder Restaurants, die im ersten und zweiten Lockdown schließen mussten. Und in diesen Branchen fällt teils auch noch die Berufsschule aus, so Cosima Steltner.

"Es gibt Betriebe, die gar nicht ausbilden können, weil sie eben dicht sind. Da wäre es natürlich gut, wenn zumindest die Theorie weiter vermittelt werden kann."
Cosima Steltner, Mitglied der Bundesjugendausschüsse von IG Metall Jugend und DGB Jugend

Doch nicht nur praktische Erfahrung fehle den Auszubildenden. Auch mit der Theorie sehe es schlecht aus, so Cosima Steltner: Teils haben Azubis gar keinen Berufsschulunterricht und wenn, dann findet dieser digital statt.

Berufsschulunterricht als Problem

Manche Auszubildenden bekommen Aufgaben von den Lehrkräften, die sie dann erarbeiten sollen. Aber die Aufgaben werden nicht erklärt und die Auszubildenden können keine Rückfragen stellen. "Das bedeutet, dass insbesondere auch etwas schwächere Schülerinnen und Schüler gar nicht mehr mit dem Stoff mitkommen", sagt Cosima Steltner.

"Entweder Berufsschulunterricht findet gar nicht statt, oder nur digital."
Cosima Steltner, Mitglied der Bundesjugendausschüsse von IG Metall Jugend und DGB Jugend

Große Betriebe mit eigenen Ausbildungswerkstätten können den Auszubildenden zumindest einiges an Theorie vermitteln, auch wenn die Berufsschule ausfällt. Aber auch diese Werkstätten können nicht alles auffangen: Es fehlt dennoch an beruflicher Praxis, sagt Cosima Steltner. Denn Azubis können zurzeit nicht in die Produktion reinschnuppern oder mit den Facharbeitern und Facharbeiterinnen im Betrieb unterwegs sein.

Digitale Endgeräte und FFP2-Masken

Cosima Steltner fordert in der Pandemie, dass die Betriebe den Auszubildenden digitale Endgeräte für die Berufsschule zur Verfügung stellen, sofern der Unterricht digital stattfindet. Die meisten würden den Unterricht sonst komplett über ihr Handy machen. Ebenfalls fordert sie, dass die Hygienevorschriften in den Betrieben umgesetzt- und den Auszubildenden FFP2-Masken zur Verfügung gestellt werden.

Am wichtigsten ist aber, so Cosima Steltner, dass die Unternehmen jetzt in der Krise nicht kurzfristig handeln und die Zahl der Ausbildungsplätze kürzen. Denn nach der Pandemie und wenn die Wirtschaft sich erholt hat, werden ausgebildete Kräfte gesucht werden – und eine Ausbildung dauert eben drei Jahre, sagt sie.