Babylon Berlin ist die teuerste deutsche Serie, die jemals gedreht wurde. Am Freitag (13.10.17) läuft die erste Staffel bei Sky an, nächstes Jahr dann in der ARD. Worum es genau geht und warum wir unbedingt auch die Romanvorlage lesen sollten, verrät unser Reporter Martin Schütz.

Nein, Martin hat nichts gegen den Bezahlsender Sky, dennoch können wir mit der Serie warten, bis sie im nächsten Jahr auch in der ARD läuft, meint er. "Ich habe die Romanvorlage von Babylon Berlin gelesen", sagt Martin. Und die empfiehlt er unbedingt. 

Die Serie basiert auf den Krimis von Volker Kutscher. Das erste Buch "Der nasse Fisch" lieferte die Grundlage für die TV-Serie, die unter anderem Tom Tykwer in Szene setzte.

"Ich habe noch nie so erlebt, dass ich ein paar Seiten eines Buchs gelesen habe und direkt gewusst habe: Das wirst du nur aus der Hand legen, um wirklich, wirklich lebensnotwendige Dinge zu erledigen."
Martin Schütz, Deutschlandfunk Nova

Das Buch ist mehr als nur ein Krimi, sagt Martin: "Es ist für mich eines der spannendsten Geschichtsbücher, die ich gelesen habe. Und ich habe Geschichte studiert und stehe so Romanen mit Historientouch wirklich sehr kritisch gegenüber".

Gewalt und Drogen: 1929 in Berlin

Die Story beginnt im April 1929 in Berlin. Die Weimarer Republik schlittert langsam aber sicher von einer politischen Krise in die nächste. Die Situation ist fragil: Kommunisten und Nazis liefern sich Straßenschlachten. Die Polizei versucht, die Lage unter Kontrolle zu kriegen. Jeden Tag sterben in Berlin Menschen eines gewaltsamen Todes.

Protagonist ist der Polizist Gereon Rath, der es auch als Krimineller gut zu etwas hätte bringen können: Rath scheißt auf Regeln und Gesetze, genießt das Berliner Nachtleben in vollen Zügen, gerät mit einer Unterweltgröße in Kontakt und ist auch ein bisschen korrupt. Eine fragwürdige Symbiose. Rath arbeitet bei der Sitte, doch eigentlich will er zur Mordkommission - und das nicht nur wegen Ruhm und Ehre.

Buddha ist fett und liebt Stachelbeertorte

Die Berliner Mordkommission ist in jener Zeit eine der weltweit renommiertesten. Das liegt an ihrem Leiter Ernst Gennat, den es wirklich gegeben hat. Gennat hatte den Spitznamen "Der Buddha" und gilt bis heute als Gott in Polizeikreisen, so Martin: "Gennat hat als erster Polizist praktisch weltweit eine moderne Mordkommission aufgebaut und deren Arbeit professionalisiert. Er dafür gesorgt, dass Bilder von Tatorten geschossen werden, Spuren gesichert werden." Das Kuriose: Gennat ist fast nie zu den Tatorten rausgefahren, weil er sehr fett war. Er hatte keinen Bock auf unbequemes Arbeiten. "Stattdessen futtert er - auch im Roman - Stachelbeertorte und liest in seinem Büro Akten", sagt Martin.

Kein Krimi ohne Schurken

Bis in die 1930er-Jahre existieren in Berlin so genannte "Ringvereine", legale Vereine, in denen sich Ex-Knastis und Schwerverbrecher organisierten. "Wie es sich in Deutschland gehört: mit Vereinsheim und Vorsitzendem. In echt hatten die so klangvolle Namen, wie Libelle oder Apachenblut", sagt Martin. Auch hier orientiert sich Kutscher sehr dicht an historischen Vorlagen. In den Ringvereinen machen die Ex-Knackis natürlich das, was sie gut können: Drogen verticken, illegale Klubs organisieren, schmuggeln und andere Dinge des organisierten Verbrechens.

Erst lesen, dann schauen

Die Bücher sind mega spannend, sagt Martin und empfiehlt vor allem die ersten beiden vor dem Gucken der Serie zu lesen:

"Ich habe extrem viel über die Weimarer Republik gelernt. Für mich ist wirklich unfassbar gewesen, was in der Zeit abgegangen ist, weil sich SA, Kommunisten, Kriminelle und Polizei so offen bekriegt haben."
Martin Schütz, Deutschlandfunk Nova

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