Die Badesaison hat begonnen und mit ihr die Wahl des Badeanzugs, Bikinis oder der Badehose. Wenn wir auf Nachhaltigkeit achten wollen, dann sollten wir vor allem langlebige Bademode kaufen.

Irgendwann sind Badesachen einfach durch: Mit der Zeit wird der Stoff dünn oder leiert aus. Wer dann Bademode neu kauft, findet inzwischen häufig Produkte, die als nachhaltig gekennzeichnet sind. Normalerweise besteht Schwimmkleidung aus Kunststofffasern wie Polyester und Elasthan.

DLF-Nova-Reporterin Katja Scherer hat sich die Alternativen angeschaut:

1. Aus Alt wird Neu: Recycling

Manche Hersteller setzen auf Recycling. Das heißt, sie verwenden klassische Kunststofffasern aus Erdöl, aber sie verwenden die Fasern aus alten Fischernetzen, Industrieabfällen oder Teppichen, sodass nichts neu produziert werden muss.

2. (Teils) aus Biomasse: Biobasierte Kunststoffe

Eine andere Möglichkeit ist es, Bademode aus sogenannten biobasierten Kunststoffen zu kaufen. "Das sind neue Kunststoffe, die aber zum Beispiel aus pflanzlichen Ölen statt aus Erdöl hergestellt werden", erklärt unsere Reporterin. Heißt: Sie werden teilweise oder vollständig aus nachwachsender Biomasse, wie etwa Maid, Algen oder Ölpflanzen hergestellt.

3. Baumwolle und Co.: Naturfasern

Und dann gibt es auch Bademode aus Naturfasern: zum Beispiel aus Bio-Baumwolle oder mit einem bestimmten Anteil an Naturkautschuk. Der Rest ist dann aber zum Beispiel immer noch synthetischer Kautschuk auf Erdölbasis.

Textilien: Berechnung von CO2-Einsparungen sind schwierig

Was nun aus ökologischer Sicht die beste Wahl wäre, lässt sich nicht so einfach sagen, erklärt Katja Scherer. Diese neuen Materialien schneiden insgesamt mit Blick auf die CO2-Bilanz zwar schon besser ab als herkömmliche neu produzierte Kunststofffasern, aber man sollte mit den Herstellerangaben vorsichtig sein, raten Fachleute.

Kai Nebel ist Textilexperte an der Hochschule Reutlingen und sagt, dass sowohl die Herstellung von recycelten Kunstofffasern als auch von biobasierten Kunststoffen immer noch sehr energieintensiv ist.

"Das Unternehmen, dass das recycelte Material Econyl herstellt, schreibt etwa, dass dadurch 90 Prozent weniger Treibhauseffekte entstehen als bei klassischem Nylon. Aber Textilexperten sagen, dass man mit solchen Herstellerangaben vorsichtig sein muss."
Katja Scherer, Deutschlandfunk Nova

Ob die Hersteller dieser neuen Materialien wirklich so viel CO2 einsparen, wie sie selbst versprechen ist unklar, sagt er: "Viele Studien zweifeln auch die Angaben der Herstellerfirmen an. Die rechnen sich auch sehr oft was schön. Je nachdem, welche Energieform genutzt wird. Es ist sehr sehr kompliziert."

Mit Energieform meint er: Es hängt zum Beispiel stark davon ab, ob für die Herstellung grüne Energie genutzt wird oder nicht. Und das könnten Verbraucherinnen und Verbraucher oft einfach nicht wissen, gibt der Textilexperte zu bedenken.

Auch Bio-Baumwolle ist nicht ideal

Bei Biobaumwolle lässt sich sagen, dass sie tendenziell besser ist, anstatt neuen Kunststoff zu produzieren, so Katja Scherer. Sie ergänzt allerdins: "Auch für die Herstellung von Baumwolle braucht man super viel Wasser, Dünger und Energie. Also ökologisch sauber oder gar nachhaltig ist das auch nicht."

"Ich würde vielleicht auch raten, einigermaßen hochwertige Produkte zu kaufen, die einfach länger halten, die im Chlorwasser nicht ausbleichen und die nicht auseinanderfallen."
Kai Nebel, Textilexperte an der Hochschule Reutlingen

Bademode aus reinen Naturmaterialien ist außerdem weniger praktisch, sagt Kai Nebel, denn sie sitzt nicht so gut und trocknet langsamer. Und wenn wir dann viele Baumwollbikinis kaufen, die alle wenig getragen werden, dann sei ein Bikini aus Kunststofffasern doch die bessere Alternative.

Wenig kaufen = nachhaltig kaufen

Wenn wir auf hochwertige Bademode setzen, dann machen wir aber schon sehr viel richtig – unabhängig vom Material, sagt Kai Nebel. Trotzdem gilt, dass Textilien allgemein sehr aufwändig zu produzieren sind. Das heißt, auch wenn man nachhaltige Bademode kauft, sollte man möglichst wenig kaufen, so der Textilexperte.

"Diese neuen Materialien sind schon tendenziell besser als herkömmliche Materialien was die Umweltbelastung angeht. Auch weil die sich ja ständig noch weiterentwickeln."
Katja Scherer, Deutschlandfunk Nova

Nicole Espey vom Institut für Textiltechnik an der Universität Aachen rät Verbraucherinnen und Verbrauchern außerdem beim Kauf von Bademode auf die Label zu achten: "Für Polyester ist zum Beispiel Bluesign ein Standard. Oder es gibt den Gots Standard."

Textil-Label können Orientierung bieten

Wer möchte, rät sie weiter, kann sich auf dem Portal Siegelklarheit informieren, welche Nachhaltigkeitsstandards diese Labels umsetzen und müssen uns nicht auf Versprechen der Hersteller verlassen.

Forderung: Politik muss gegen Textil-Überproduktion vorgehen

Verbraucher*innen sollten sich aber auch nicht zu viel Verantwortung aufbürden, findet Nicole Espey. Sie sagt, dass vor allem auch die Politik gegen Überproduktion in der Modebranche vorgehen müsse. Verbraucherinnen und Verbraucher können allerdings mithelfen. – Hier noch mal die zentralen Tipps dafür in Kürze:

Worauf ihr achten könnt

  • Die neuen Materialien sind tendenziell nachhaltiger.
  • Ihr könnt euch über die unterschiedlichen Siegel informieren.
  • Wir sollten seltener und dafür qualitativ hochwertige Badesachen kaufen.
  • Eine gute Pflege kann dazu beitragen, dass die Produkte lange halten.
  • Moderatorin: Anke van de Weyer
  • Gesprächspartnerin: Katja Scherer, Deutschlandfunk Nova