Achtung: Grammatikquiz! Muss es heißen: "Ey, Alda, ischwöre, isch geh grad Karstadt!" Oder: "Ey, Alda, ischwöre, isch komm grad Karstadt!" Wichtige Frage. Auf jeden Fall für die Sprachwissenschaftlerin Heike Wiese. Für sie ist Kiezdeutsch ein deutscher Dialekt.

Wenn ihr jetzt denkt: So ein Quatsch, ist beides falsch, dann liegt ihr falsch. Das erklärt Heike Wiese in ihrem Vortrag: "Gehört Kiezdeutsch zu uns? Hochdeutsch, Dialekte und sprachliche Abgrenzung". Heike Wiese lehrt Deutsche Sprache der Gegenwart an der Universität Potsdam, und sie kümmert sich wirklich um die Gegenwart.

"Hier entstehen neue Sprechweisen, besonders unter Jugendlichen. Natürlich nicht nur unter diesen, aber Jugendliche sind immer besonders kreativ und spielerisch im Umgang mit der Sprache."

Heike Wiese analysiert statt zu bewerten. Sie hört zu, wie man in Ballungsgebieten mit vielen mehrsprachigen Familien spricht. Und sie schaut sich an, welche sprachlichen Regeln es gibt. Denn es gibt eine eigene Grammatik. Deshalb ist es auch nicht egal, ob "isch komm" oder "isch geh".

Doch es gibt Menschen, denen gefällt die Forschung von Heike Wiese nicht. Die Wissenschaftlerin bekommt immer wieder empörte Zuschriften von Menschen, die finden, sie allein seien im Besitz der reinen Hochsprache. Diese Zuschriften sammelt die Sprachwissenschaftlerin und wertet auch diese aus.

"Wir sprechen von Deutsch-Türken - und nicht von Turk-Deutschen. Wir sprechen von Deutsch-Amerikanern. Das sind die, die nach Amerika ausgewandert sind."

Dabei entdeckt sie Argumente, mit denen sich viele der Empörten vielleicht gar nicht identifizieren möchten. Andere führen direkt zu "Blut-und-Boden" und dem vermeintlichen Recht, sich selbst für einen "richtigen" Deutschen zu halten - die anderen aber nicht. Heike Wiese hielt ihren Vortrag am 6. Januar 2015 am Einstein Forum Potsdam.

Und übrigens, richtig heißt es: "Isch geh grad Karstadt!"

Sprache ist auch hier ein Thema: Linguistik - Liebt! Eure! Sprache!

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