Smarte Kameras sollen Schwimmmeister*innen am Beckenrand unterstützen. Das System wird in Wiesbaden und München erprobt. Erfolgreich. Aber eine andere Gefahr bleibt.

Das Überwachungssystem wurde von einem israelischen Start-up entwickelt. In Deutschland wird es bislang im Wiesbadener Frei- und Hallenbad Kleinfeldchen sowie seit Kurzem im Münchner Südbad eingesetzt.

In der bayerischen Landeshauptstadt überwachen acht Kameras die Schwimmbecken. Dabei werden alle Bewegungen erfasst und von einer Künstlichen Intelligenz (KI) analysiert, so Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte.

Schwimmbäder: Leben retten mit smarten Kameras

"Die Software soll erkennen, ob sich Badegäste gerade in einer gefährlichen Situation befinden", sagt Martina Schulte. Entscheidend sind dafür die Bewegungsmuster der Schwimmenden. Zum Beispiel, wenn sich eine Person mitten im Schwimmerbecken mehrere Sekunden nicht mehr bewegt. Das Südbad wird von den Stadtwerken München betrieben.

"Alle Bewegungen im Schwimmbecken werden erfasst und von einer Künstlichen Intelligenz analysiert."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Sobald Bewegungsmuster auffällig sind, geht ein Alarm auf die Smartwatch des Schwimmmeisters oder der Schwimmmeisterin. Zudem ist auf dem Display erkennbar, wo im Schwimmbecken die Person ist. So können Rettungsschwimmer*innen zielgerichtet und schneller helfen.

Das soll alles datenschutzkompatibel sein. Laut den Stadtwerken München werden keine Echtzeitbilder einzelner Personen im Wasser erfasst, sondern die Gesamtsituation im Wasser. "Das heißt, die Details der Videoaufnahmen werden von der Software sofort in Vektordaten umgerechnet, um die Bewegungen zu erkennen und daraus werden dann Bewegungsmuster abgleitet", sagt Martina Schulte. Außerdem werden die Daten schnell wieder gelöscht, heißt es.

Die KI kann Rettungsschwimmer*innen unterstützen

Im Südbad in München wird das System zwei Jahre lang getestet, um herauszufinden, ob es für alle Münchner Schwimmbäder Sinn macht. Doch die KI muss noch trainieren. Laut Süddeutscher Zeitung kann das System derzeit noch nicht zwischen einer Person unterscheiden, die sich bewegungslos im Wasser sonnt, und einer Person, die Hilfe benötigt.

Allerdings ist die KI auch noch am Lernen, so Martina Schulte. Dabei helfen auch die Bademeister*innen mit ihrem Feedback. Aus jeder Fehleinschätzung lernt das System, künftig besser zu reagieren.

"Viel gefährlicher sind Bäche, Teiche, Seen und andere natürliche Gewässer."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova-Netzreporterin

Doch ein grundsätzliches Problem bleibt: Die meisten Badeunfälle ereignen sich nicht in öffentlichen Schwimmbädern, sondern in Bächen, Seen oder auch Flüssen.

Laut DLRG passierten in 2021 85 Prozent der erfassten tödlichen Badeunfälle in Binnengewässern. Das waren 255 von 299 tödlichen Unglücken. "Mit 131 Todesfällen waren in Seen und Teichen die meisten Opfer zu beklagen", so die DLRG. In Flüssen verloren 95 Menschen ihr Leben, in Bächen und Gräben 13 sowie in Kanälen 16. "Das größte Risiko zu ertrinken, besteht weiterhin in Seen und Flüssen", so die DLRG weiter. In Schwimmbädern passierten sechs tödliche Unglücksfälle.