Jedes Jahr ertrinken in Deutschland über 400 Menschen in Seen, Flüssen und anderen Gewässern. Selbst wenn man retten will: Ertrinkende zu erkennen, ist gar nicht so einfach. Und manchmal geraten die Retterinnen und Retter selbst in Gefahr.

Seit 1950 bis circa 1990 ist die Zahl der Ertrunkenen in Deutschland deutlich zurück gegangen – laut Deutscher Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) von über 2000 auf circa 400 bis 600 pro Jahr.

Dass die Zahl der Ertrunkenen von Jahr zu Jahr variiert, liegt unter anderem am Wetter. Im Jahr 2018 sind mit 504 Menschen aufgrund des langen Sommers relativ viele Menschen ertrunken.

Die meisten Menschen ertrinken in Badeseen

Bei gutem Wetter gehen mehr Menschen an den Badesee, an den Fluss und ans Meer – und damit begeben sich auch mehr Menschen in Gefahr. Der Badesee ist übrigens mit großem Abstand vor Fluss, Meer und Kanal der Ort, an dem die meisten Menschen ertrinken.

Die DLRG rechnet dieses Jahr ebenfalls mit einer höheren Zahl von Ertrunkenen, weil aufgrund der Corona-Krise weniger Mensch verreisen und deutsche Gewässer aufsuchen. Ein Tipp der DLRG: Meidet Flüsse mit Strömungen. Und: Achtet auf Menschen, die gerade ertrinken. Denn die werden sich in der Regel nicht laut zu Wort melden.

″Ein Leitsatz ist: Kinder ertrinken leise. Erwachsene leider auch.″
Carsten Rosenberg, DLRG

Wenn Menschen ertrinken und sich nicht bemerkbar machen, ist das für Ungeübte nicht leicht zu erkennen. Trotzdem gibt es Anzeichen – zum Beispiel:

  • Oft ist der Körper von Ertrinkenden senkrecht im Wasser.
  • Trotz Schwimmbewegungen kommen die Personen kaum von der Stelle.
  • Körperliche Anzeichen sind etwa: weit aufgerissene Augen oder Haare, die vor dem Gesicht hängen

Wer diese Anzeichen erkennt und helfen will, sollte unbedingt die wichtigsten Regeln in der folgenden Reihenfolge beachten, sagt Carsten Rosenberg, Strömungsretter bei der DLRG:

  1. Notruf (112) absetzen und Hilfe kontaktieren
  2. anderen Badegästen bescheid sagen und um Hilfe bitten
  3. Eigenschutz durch Abwägen: Wie gefährlich ist die Situation? Kann ich ausreichend gut schwimmen?
  4. Bei einem Rettungsversuch: Hilfsmittel mitnehmen, zum Beispiel Rettungsring, Luftmatratze, Volleyball – alles, was zur Hand ist und auf dem Wasser schwimmt

Speziell der Rettungsversuch kann gefährlich werden. ″Manche ertrinkende Menschen sind in blanker Panik″, sagt Carsten. Sie schlagen zum Beispiel um sich und ziehen die Retter mit unter Wasser. Er rät: In solchen Situationen solltet ihr Abstand halten und nach Möglichkeit Hilfsmittel anreichen.

Strömungen werden unterschätzt

Bei Flüssen ist Punkt 3 – das Einschätzen der Situation – besonders kritisch. Denn selbst gute Schwimmer kommen gegen Strömungen nicht an. Carsten sagt: Diese Situation wird oft unterschätzt.

Wer in eine Strömung geraten ist soll nicht versuchen, gegen sie anzuschwimmen. Es ist besser, sich mit der Strömung treiben zu lassen und zu versuchen, seitlich aus ihr heraus zu kommen.