Krieg macht alles kaputt. Oder fast alles. Denn manche überleben ihn und schreiben dann großartige Bücher darüber, die uns verstehen lassen, was Krieg und Flucht für einen Menschen bedeuten. "Kleines Land" von Gaël Faye handelt von dem 11-jährigen Gaby aus Burundi, der miterleben muss, wie im Nachbarland Ruanda Krieg herrscht und zu einem Genozid wird.

Gaby, die Zwillinge, Armand und Gino. Fünf beste Freunde, die sich Witze erzählen, heimlich rauchen, geklaute Mangos teilen, bis alles klebt. Nichts kann sie trennen, da ist sich der 11-jährige Gaby sicher. Und dann kommt der Krieg. Ganz langsam drängt er sich zwischen sie, verändert alles, macht ihnen Angst, dividiert sie auseinander.  

"Gabys Vater hat ihm beigebracht, dass Kinder nicht darüber nachdenken sollen, über Herkunft, Politik und sowas. Sie sollen spielen und sich aus den Gesprächen der Erwachsenen heraushalten. Wenn es nur so einfach wäre..."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova, über den Protagonisten Gaby

„Kleines Land“ heißt das Romandebüt von Gaël Faye, das 2016 in Frankreich wochenlang auf den Bestsellerlisten zu finden war. Darin erzählt Faye die Geschichte von Gabriel, der sich an seine Kindheit im zentralafrikanischen Staat Burundi der frühen 1990er Jahre erinnert – und der als Erwachsener, nach vielen Jahren Bürgerkrieg dorthin zurückkehrt.

"Kleines Land" von Gaël Faye lässt uns verstehen, was Krieg und Flucht mit Menschen machen

Gabriel, genannt Gaby, darf das Land im Alter von elf Jahren verlassen, weil er der Sohn eines französischen Vaters ist. Das rettet ihm das Leben, denn durch seine ruandische Mutter wird er den Tutsi zugerechnet, die vor allem im Jahr 1994 zu Hunderttausenden einem Genozid in Ruanda und Burundi zum Opfer fallen. 

Gabys Schicksal ist eines unter vielen

Gaël Faye wird 1982 in Burundi geboren, wächst als Kind einer ruandischen Mutter und eines französischen Vaters auf, bevor er 1995 wegen des Bürgerkriegs nach Frankreich fliehen muss. Zunächst studiert er Wirtschaft, arbeitet dann als Investmentbanker in London und kehrt schließlich nach Frankreich zurück, um dort als Autor, Musiker und Sänger zu arbeiten. Seit 2015 lebt Gaël Faye überwiegend in Ruanda, dem Land seiner Mutter. 

"Das Schreiben hat mir Halt gegeben, hat mir geholfen, mich abzugrenzen, Schutzwälle aufzubauen, in einem Moment, in dem ich das Gefühl hatte, Spielball der Weltgeschichte zu sein."
Gaël Faye über das Schreiben, Quelle: Journal de dimanche

Gabys Lebensdaten decken sich mit denen des Autors. Es sei dennoch nicht seine Geschichte, betont er in Interviews zu seinem ersten Roman. Es sei eine Geschichte von vielen.

Cover des Buches "Kleines Land" von Gaël Faye
© Piper Verlag

Das Buch:

„Kleines Land“ (Originaltitel: "Petit Pays") von Gaël Faye, aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt von Brigitte Große und Andrea Alvermann, 2017 erschienen im Piper Verlag, 223 Seiten, gebundene Ausgabe (Hardcover): 20 Euro, Taschenbuchausgabe: 11 Euro, eBook: 16,99 EUR.