Let's go North? Wegen des Klimawandels ist die berüchtigte Nordostpassage auf einmal für Schiffe passierbar. Klimaforscher sind alarmiert, Reeder könnten sich die Hände reiben. Bis die Route im Norden zur bevorzugten Wasserstraße zwischen Europa und Asien wird, dürfte es aber noch dauern.   

Der Klimawandel hat Folgen – für die Umwelt, aber auch für die Wirtschaft. In einigen Regionen der Welt könnte er vollkommen umkrempeln, wie wir Handel treiben. Zum Beispiel für die Länder entlang der Nordostpassage, etwa Russland, Finnland oder Island. Der Grund: War die Route früher die meiste Zeit des Jahres wegen Eises nicht passierbar, gilt auf einmal: freie Fahrt. Weil das Eis wegen des Klimawandels immer weiter zurückgeht.  

Nordostpassage
© dpa
Ein Satellitenbild der ESA zeigt die nahezu eisfreie Nordostpassage

Gerade erst hat ein dänisches Containerschiff wieder bewiesen: Die berüchtigte Nordostpassage ist passierbar. Die "Venta Maersk" ist erfolgreich von Wladiwostok nach St. Petersburg gefahren. Für Containerschiffe ist das allerdings immer noch die Ausnahme, sagt Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik. Die Route nehmen vor allem sogenannte Projektladungsschiffe auf sich. Der regelmäßige Linienverkehr ist noch in anderen Gewässern unterwegs. Und daran dürfte sich nach Meinung von Burkhard Lemper in absehbarer Zeit auch nichts ändern, weil die Organisation dieser Fahrtroute zu kompliziert sei.

Kurze Distanz macht Nordostpassage interessant

Was die Nordostpassage für die Schifffahrt so interessant macht: die kurze Distanz. So lässt sich die Fahrzeit für Schiffe, die sich vom Norden Chinas auf den Weg nach Nordeuropa machen, über die Nordroute verkürzen. Dieser Vorteil schwindet, je weiter der Abfahrthafen im Süden liegt. Von Hongkong oder Singapur aus dürfte also niemand die Nordostpassage auf sich nehmen.

Das Problem mit den Zwischenstopps

Ein Nachteil der Nordwestpassage: In der Regel sind Liniendienste von Europa nach Asien so organisiert, dass sie in Singapur, in Indien, im Oman oder Saudi Arabien Häfen haben, in denen sie Ladung mitnehmen oder austauschen können. Diese Anlaufstellen fehlen auf der Nordostpassage zurzeit noch. Und selbst, wenn es sie eines Tages geben sollte, würden sie fast ausschließlich im Norden Russlands liegen. Kurz: Es gibt zu wenige lukrative Zwischenstopps auf der Nordostpassage.  

"Es gibt einige Nachteile bei der Nutzung der Nordostpassage. Und ich denke, dass es in den nächsten Jahren noch nicht dazu kommen wird, dass wir regelmäßige Linienverkehre dort oben sehen."
Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik

Dazu kommt: Die Nordostpassage ist auch in Zeiten des Klimawandels nur wenige Monate im Jahr eisfrei. Das heißt: Im Winter gibt es nach wie vor kein Durchkommen. Die Folge: Ein Schiff, das im Sommer auf der Nordostpassage unterwegs ist, muss im Winter im Hafen bleiben oder eine andere Route durchs Mittelmeer wählen. Das lohnt sich nicht, weil nur Schiffe der sogenannten Eisklasse die Nordostpassage bewältigen können. Die sind teurer, weil mehr Stahl verbaut wird. Solche Eispanzer in gemäßigten Breiten durchs Mittelmeer schippern zu lassen, wäre also nicht sehr wirtschaftlich. 

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