Wenn das Klimasystem kippt

Forscher warnen vor ewiger Heißzeit

Stehen wir am Beginn einer unumkehrbaren Heißzeit? Davor warnen Klimaforscher. Mit Sommer hat das nichts zu tun – mit Klimawandel schon.

Die Erde könnte sich langfristig um vier bis fünf Grad Celsius erwärmen: Davor warnt ein internationales Forscherteam im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences oft the USA (PNAS). Die Kurzfassung ist frei zugänglich. Eine Folge könnte sein, dass der Meeresspiegel um zehn bis 60 Meter steigt – auch wenn alle Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden sollten. Die Klimaerwärmung zwischen 1,5 und 2 Grad Celsius zu stoppen, könnte schwieriger sein, als bisher gedacht.

An dem Text haben auch die Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und Ricarda Winkelmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung mitgearbeitet. Wir haben mit Werner Eckert aus der ARD-Umweltredaktion über den Artikel  gesprochen.

Dominoeffekt könnte zu einer Heißzeit führen

Die Wissenschaftler nehmen an, dass es eine Art Schwelle gibt. Wenn sie überschritten wird, werde eine Art von Dominoeffekt ausgelöst. Der Klimawandel würde sich dann selbst verstärken und eine sogenannte Heißzeit auslösen.

"Wenn das alles zusammenkommt und nicht mehr reversibel ist, dann kriegt man eine mega Heißzeit, die auch nicht mehr endet."
Werner Eckert, Journalist in der ARD-Umweltredaktion

Ein Beispiel für diese Beschleunigung sind Schmelzprozesse. Dunkelfarbige Erdflächen, die von Eis bedeckt waren, erwärmen sich viel stärker als Eisflächen und tragen zu einer Erwärmung der Atmosphäre bei. Auch das Abschmelzen weiterer Eisflächen wird sich dadurch beschleunigen.

Ein zweites Beispiel: In den Permafrostböden in Sibirien sind große Mengen an Methan gebunden. Darin liegen große Mengen von Tier- und Pflanzenüberresten. Tauen diese Böden auf, wird das Gas freigesetzt und weil Methan ein hohes Treibhauspotential hat, könnte auch dieser Vorgang einen unumkehrbaren aufheizenden Effekt auf das Weltklima haben – mit dem Ergebnis einer Heißzeit.

Keine Studie sondern ein Appell

Werner Eckert nennt den Beitrag der Wissenschaftler in der Zeitschrift PNAS einen Appell. Er ist von der amerikanischen Akademie der Wissenschaften auch als solcher in Auftrag gegeben worden. 

Werner Eckert liest den Text auch als Botschaft an den amerikanischen Präsidenten, der den Klimawandel wiederholt öffentlich geleugnet hat. Vom Pariser Klimaschutzübereinkommen und dem dort vereinbarten 2-Grad-Ziel trat Donald Trump am 1. Juni 2017 zurück.

"Alles, was da drin steht ist wissenschaftlich. Die Schlussfolgerungen sind auch sehr persönlich. Das ist kein Studienartikel."
Werner Eckert, Journalist in der ARD-Umweltredaktion

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