Noch ist wenig über die Entstehung des Arktischen Ozeans bekannt. Zuviel ist von Wasser und Eis bedeckt. Jetzt wollen die Forscher der Case 19-Expedition neue Erkenntnisse gewinnen.

Karsten Piepjohn leitet die Case 19-Expedition, die im Auftrag der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe am 26. Juni startet. Ziel der Expedition ist es, herauszufinden, wie sich der Arktische Ozean, "dieses riesige Binnenmeer, das zwischen Asien, Nordamerika und Europa entstanden ist", erklärt Karsten Piepjohn. Denn bislang gibt es nur sehr wenige Daten über dieses Meer, weil es immer noch sehr stark mit Eis bedeckt ist. 

"Wir arbeiten in Time-Margen von 800 Millionen Jahren."
Karsten Piepjohn, Leiter der Case 19-Expedition

Aufgabe der Expedition ist es, über die Landgeologie die Erkenntnisse über das Meer zu erweitern. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie die Struktur des Kontinentalrands von Nordamerika beschaffen ist. Das Basislager wird am Nordrand der Ellesmere-Insel in Kanada aufgebaut.

Bislang vermuten die Wissenschaftler, dass es in der Arktis große, kontinentweite Plattenverschiebungen gibt, "große Störungssysteme, an denen Platten seitwärts aneinander vorbei gleiten", erklärt Karsten Piepjohn. 

Nordamerika, der Arktische Ozean und Ostsibirien bilden eine große zusammengehörende Platte wie Afrika oder die Antarktis. "Wir haben den Verdacht, dass das doch mehrere Platten sind, wenn sich tatsächlich herausstellt, dass diese große Seitenverschiebung, die arktische Sankt-Andreas-Störung, wirklich eine so gewaltige Störung ist, wie wir das vermuten." 

Anders als der Geophysiker kann der Geologe an Land das Gestein sehen, anfassen und datieren. Wenn die Gesteine versetzt sind, erklärt Karsten Piepjohn, dann kann er auch die Vorgänge datieren, die zu den Verwerfungen geführt haben. 

"Wir können viel mehr greifbare Daten an Land herausfinden, als es auf der Seeseite möglich ist."
Karsten Piepjohn, Leiter der Case 19-Expedition

Die Rohstoffkonzerne haben ihre eigenen Daten erhoben, um feststellen, ob dort noch Erdölreserven lagern, diese halten sie aber geheim. Vor einigen Jahren hat der Geologische Dienst der USA bekannt gegeben, dass in der Arktis ein Viertel aller Erdöl- und Erdgasreserven der Welt ruhen. Das war aber nach Karsten Piepjohn eine reine statistische Abschätzung aus den bislang bekannten Reserven. "Das sind aber keine echten Befunde", sagt der Forscher. Diese kann aber Karsten Piepjohn liefern. Die Wissenschaftler können sich aus den gewonnen Daten des unabhängigen Instituts ihr eigenes Bild machen. "Wir wollen hinterher der Allgemeinheit unsere Erkenntnisse zur Verfügung stellen."

"Es ist einfach eine andere Welt, es ist faszinierend dort zu sein. Wir bauen unser Camp auf und werden sechs Wochen dort mutterseelen allein sein."
Karsten Piepjohn, Leiter der Case 19-Expedition

350 Millionen Jahre alter Regentropfen

"In Spitzbergen habe ich mal Regentropfenabdrücke gefunden in einem Sandstein aus dem Devon. Da ist vor 350 Millionen Jahren in Spitzbergen, als es noch am Äquator gelegen hat, ein Regenschauer niedergegangen. Dass so etwas Vergängliches wie Wasser, ein Regenschauer, sich über solche Zeiträume erhalten kann, das ist einfach begeisternd", beschreibt Karsten Piepjohn sein Forscherleben.