Beim Thema Klimaschutz ist Zugfahren ein entscheidender Baustein. In Deutschland liegen einige Bahnstrecken aber still – und das schon seit Jahrzehnten. Zwei Gemeinden und ein Förderverein in Baden-Württemberg haben selbst angepackt und eine Strecke wieder in Betrieb genommen.

Auf dem Land sind viele ehemalige Bahnhöfe nur noch zu erahnen: Dort versteckt Gras die Schienen, und Bretter vor alten Bahnhäuschen zeigen, wie lange hier schon kein Zug mehr abgefahren ist.

Auf einer Strecke in Baden-Württemberg zwischen Mengen und Radolfzell am Bodensee war das für viele Jahre auch so – bis 2021. Seitdem ist die Strecke als sogenannte Biberbahn wieder in Betrieb.

Im Sommer können Fahrgäste die knapp 40 Kilometer lange Strecke an Sonntagen und an jedem Feiertag drei Mal am Tag nutzen. Die wiederbelebte Zugstrecke ist erst mal noch im Probebetrieb. Ziel ist es, dass die Bahnen täglich zwischen 5 und 23 Uhr jede Stunde fahren. Noch bis zum Ende des Jahres läuft eine Machbarkeitsstudie, die aufzeigen soll, was möglich ist. Aktuell ist die Finanzierung das Problem.

Durch Ehrenamtliche Kosten einsparen

Damit die Bahnlinie reaktiviert wurde, haben die Gemeinden Meßkirch und Sauldorf die Strecke gekauft und in ihren Haushalten jährlich 100.000 Euro bereitgestellt, um den Probebetrieb voranzubringen. Die Kosten für die Züge zahlt zum Großteil das Land Baden-Württemberg.

Ein Förderverein hilft beim Betrieb und Instandhaltung der Strecke. Das spart Kosten ein. Sie kümmern sich zum Beispiel darum, die Strecke von Ästen und Bäumen freizuräumen oder fahren im Zug mit, um Straßen an einem ungeschützten Bahnübergang abzusperren.

Einer von ihnen ist Severin Rommeler. Der 26-Jährige hat sich vor der Wiederaufnahme der Strecke maßgeblich für die Biberbahn eingesetzt. Über eine Reaktivierung wurde in der Gegend auch immer wieder mal gesprochen, sagt er, aber mit den Klimaprotesten durch Organisationen wie Fridays For Future wurde es endlich konkret. Die hätten das Bewusstsein für Klimaschutz auf dem Land in der Region verdeutlicht.

"Da lagen die Schienen, und ich hatte mir jeden Tag gedacht, wie schade es ist, dass hier nichts fährt und ich mich sehr freuen würde, wenn ich hier in einen Zug einsteigen könnte."
Severin Rommeler, Erster Vorsitzender des Fördervereins Ablachtalbahn, der die Biberbahn betreut

Alte Strecken fit zu machen dauert

Beim Kauf der Zugstrecke hat Frank von Meißner die Kommunen beraten. Er ist Experte für Streckenwiederbelebungen und springt bei der Biberbahn mit seinem Lokführerschein manchmal auch ehrenamtlich als Fahrer ein.

Ohne die Arbeit der Ehrenamtlichen wäre der Probebetrieb zu teuer. Die Kosten deckt der Betrieb gerade noch nicht. Im Moment fahren sonntags durchschnittlich 300 Gäste mit der Biberbahn. Im regelmäßigen Takt sollten es bis zu 800 Mitfahrende sein, damit es sich auch lohnt.

"Eine Streckenreaktivierung für den planmäßigen Verkehr ist ein Marathonlauf, kein 100-Meter-Sprint. Da muss man schon einen langen Atem haben."
Frank von Meißner, Berater für Streckenreaktivierung

Alte Strecken zu reaktivieren ist auch ein Ziel der baden-württembergischen Landesregierung. Damit möchte es doppelte so viele Menschen wie aktuell bis 2030 im öffentlichen Nahverkehr transportieren. Dafür hat das Land 40 alte Strecken in einer großen Studie untersucht. 20 davon sind in einer engeren Auswahl gelandet. Für zwölf von ihnen gibt es schon konkrete Pläne.