Laily Begums Dorf leidet sehr unter den Klimaveränderungen: Es liegt auf einer Schwemminsel im Norden Bangladeschs und der Wasserpegel steigt kontinuierlich. Bei Hochwasser umschließt die Flut das gesamte Dorf. Mit genügend Hilfe könnte es höher gelegt werden.

Im Norden von Bangladesch leben die Menschen mit und gegen die Flüsse. DRadio-Wissen-Reporterin Yvonne Koch hat das Dorf Char Charita Bari im Distrikt Gaibandha besucht. Das Dorf liegt auf einer sogenannten Schwemminsel. Sie ist während der Regenzeit vollkommen von Wasser eingeschlossen. Die engagierte Dorfbewohnerin Laily Begum hat unsere Reporterin empfangen und ihr die Lage beschrieben.

Laily Begum hat DRadio-Wissen-Reporterin Yvonne Koch im Dorf Char Charita Bari begrüßt.

Der Fluss bedeutet für die Menschen Hoffnung und Angst zu gleich. Bislang richteten sich die Bauern nach den regelmäßigen Fluten. Sie pflanzten im September und warteten ab, bis das Wasser sich wieder zurückzog. Mittlerweile müssen die Bewohner zwei bis dreimal im Jahr mit der völligen Überschwemmung rechnen.

"Die Überschwemmungen werden immer heftiger, vernichten die Ernten und bringen alles durcheinander."
Laily Begum lebt im Dorf Char Charita Bari

Wenn die Fluten häufiger kommen, dauert es länger bis wieder auf den Feldern gearbeitet werden kann. In dieser Zeit fehlt den Menschen ihr Einkommen. "Dann müssen alle Männer fort, auch die ganz jungen", sagt Laily Begum. Monatelang müssen sie versuchen sich als Tagelöhner oder Rikschafahrer durchzuschlagen. Zwei bis drei Euro am Tag müssen dann reichen, um die Familien zu ernähren.

"Letztes Jahr konnten wir gar nicht aus dem Haus, überall war Wasser. Die Lebensmittel wurden knapp, denn wenn das Wasser kommt, kriegen wir nirgends etwas zu Essen."
Laily Begum lebt im Dorf Char Charita Bari

Die NGO "Centre for Disability in Development" hilft den Manschen in Lailys Dorf. Aber weil das Wasser jedes Jahr höher steigt, wird es immer schwieriger. Doch die Organisation hat einen Plan: Sie will das Dorf einen Meter höher legen. Und zwar mit Feldern und Weideflächen. Danach wird alles wieder aufgebaut - Häuser, neue Brunnen und Toiletten. Vielleicht auch eine Solarpumpe. Und wenn alle Dorfbewohner mithelfen, können sie noch ein paar Jahre mit dem Fluss weiter leben.

"Wenn ich Geld hätte, würde ich wegziehen in Gegenden, die nicht so von Flut betroffen sind, aber so kann ich nicht weg"
Der Dorfälteste in Char Charita Bari würde lieber wegziehen