Barbies Körperformen machen Ärger, aber immerhin macht sie mehr als Hausarbeit. Die Puppe taugt also nur begrenzt als Vorbild. Wir haben das mit ihr mal durchgespielt.

Am 09. März 1959 ist die erste Barbie auf den Markt gekommen. Am 09. März 2019 wird sie 60 Jahre alt. Die Puppe mit den langen Beinen feiert ihren Geburtstag nur einen Tag nach dem Frauentag. Im Wesentlichen haben die 60 Jahre kaum Spuren auf ihrer Plastikhaut und an ihrem Körper hinterlassen. Sebastian Sonntag ist unser Reporter. Gerade diese sehr langen Beine könnten bei Barbies Alter nicht schmerzfrei sein, meint er. Barbie müsse unter Arthrose leiden, also Gelenkschmerzen wegen Abnutzung haben. Und das Hohlkreuz und ihre schmalen Schultern könnten Bandscheibenvorfälle auslösen. 

Abgesehen von all den Gesundheitsproblemen, die Barbie durch das Älterwerden treffen könnten, ist ihr Körper so arm an Volumen, dass eigentlich nicht alle Organe hineinpassen, die wir zum Leben brauchen. Auch deswegen verkörpert Barbie in Plastik gegossenen Sexismus. Diplomatischer ausgedrückt: Sie steht für ein problematisches Frauenbild.

Barbie bleibt ein Klischee

Als Barbie Ende der Fünfziger in den Kinderzimmern aufgetaucht ist, wurde die Figur allerdings auch als Ausdruck einer emanzipatorischen Entwicklung begrüßt. Die Kinder- und Jugendlichenspsychotherapeutin Tanja Kretz-Bünese weist darauf hin, dass Kinder mit Barbie nicht mehr nur Mama spielen konnten. Barbie konnte immerhin alle Rollen annehmen – auch mit ihrem sexualisierten Körper.

So blieb Barbie also ein Klischee, durfte aber tatsächlich im Lauf der Zeit die meisten Berufe und Frauenrollen ausprobieren. In den Fünfzigern trug sie Zopf wie Audrey Hepburn, in den Sechzigern war sie schon vier Jahre vor Neil Amstrong auf dem Mond, in den Siebzigern war sie die sonnengebräunte Malibu Barbie. Und in den Achtzigern und Neunzigern hat sie sich immer mehr emanzipiert und verschiedenste Jobs erlernt: Ärztin, Feuerwehrfrau, Managerin und Präsidentschaftskandidatin. Das war 1992. Heute tritt Barbie auch als Meeresbiologin, Tierfilmerin und Entomologin, also Insektenkundlerin, auf.

"24 Jahre vor Hillary Clinton, nämlich 1992, kam Barbie als Präsidentschaftskandidatin auf den Markt."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Modellpflege hat sich gelohnt. Im Jahr 2015 hatte der Barbiehersteller Mattel finanzielle Probleme. Barbie und Co. waren plötzlich nicht mehr so interessant – viele Kinder wollten lieber andere Spielzeuge.

Aber Barbie und Mattel-Puppen sind heute kommerziell recht erfolgreich. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass starke weibliche Rollenvorbilder wie Beyoncé, Lena Dunham oder #MeToo-Initiatorin Tarana Burke auf dem Vormarsch seien.

Passend dazu gibt es die Career Dolls: Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad mit Hidschab, Filmemacherin Patty Jenkins, Flugpionierin Amelia Earhart, oder auch die feministischen Ikone Frida Kahlo. Die ist einigen allerdings zu schön, also zu sehr Barbie. 

Zu Jahresbeginn 2019 meldete Mattel zunächst "sehr erfreuliche Verkaufszahlen". Allerdings leidet das Unternehmen wohl noch immer unter dem Zusammenbruch der Spielzeughandelskette Toys R Us und musste seine Prognose für 2019 korrigieren.

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