Hinter den Anschlägen in Barcelona und Cambrils mit 14 Toten und 130 Verletzten vermuten die Sicherheitsbehörden eine Terrorzelle.

Stand 19.08.2017, 07:03 Uhr

  • Nach den Anschlägen in Barcelona und Cambrils hat die Polizei vier Personen festgenommen: drei Marokkaner und einen Spanier.
  • Die Polizei geht von einer Terrorzelle aus, die einen noch größeren Anschlag planen wollte. 
  • Der Fahrer des Lieferwagens, der in Barcelona in die Menschenmenge fuhr, ist womöglich tot. Laut katalanischem Polizeichef ist er noch nicht identifiziert.
  • Die Opfer der beiden Anschläge stammten aus mindestens 35 Ländern. Mindestens 13 verletzte Deutsche sind unter ihnen, so das katalanische Innenministerium. 59 Verletzte befanden sich am Samstag noch im Krankenhaus.
  • Die katalanische Regionalregierung hat für drei Tage eine offizielle Trauer verfügt.

Unklar ist, ob der Fahrer des Wagens, mit dem der Anschlag in Barcelona verübt wurde, auf der Flucht ist oder nicht. Spanischen Medienberichten zufolge ist er bereits tot. Er soll unter den fünf mutmaßlichen Terroristen sein, die noch in der Nacht auf Freitag in der Küstenstadt Cambrils von Polizisten erschossen wurden.

Für die Bewohner Barcelonas sei das eine gute Nachricht gewesen, sagt Spanien-Korrespondent Oliver Neuroth, der die Nachrichten-Entwicklung den Tag über verfolgt hat.

Oliver Neuroth, Spanien-Korrespondent
"Heute morgen waren die Straßen in Barcelona noch leer. Ab dem Mittag taute die Stadt etwas auf - und es kamen wieder so viele Touristen, dass ich dachte, es ist ein normaler August-Nachmittag."

Nach bisherigen Erkenntnissen soll laut spanischen Behörden eine Gruppe von 12 Mitgliedern hinter den Terroranschlägen in Spanien stecken - die vier verhafteten und fünf toten Mitglieder mitgezählt. Möglicherweise hat sie einen noch größeren Anschlag geplant: In Zusammenhang damit könnte eine Explosion in einem Wohnhaus im Ort Alcanar stehen. In der Nacht zum Donnerstag wurde dort wohl aus Versehen ein Großteil des Sprengmaterials der Gruppe zerstört, wie der Chef der katalanischen Polizei, Josep Lluís Trapero, erklärte.

"Es gibt Anzeichen dafür, dass die Gasflaschen in einen Laster sollten und damit ein Anschlag geplant war. Das hätte - bei allem Respekt vor den Opfern - eine andere Dimension gehabt. Man kann nur froh sein, dass das nicht gelaufen ist."
Gerwald Herter, ARD-Terrorismusexperte

Der sogenannte Islamische Staat hat die Terroranschläge am Mittag (19. August) wiederholt in einer Erklärung im Internet für sich reklamiert. Darin heißt es, die Angriffe in Spanien hätten mehrere Glaubenskämpfer in zwei Gruppen ausgeführt und "Kreuzfahrer" ins Visier genommen. Ein vorheriges IS-Bekenntnis kam nur von seinem Sprachrohr Amak. Das allerdings, laut Terrorismusexperte Gerwald Herter, sehr allgemein gehalten sei und indem kein Täterwissen erkennbar sei. "In der Vergangenheit war das manchmal Trittbrettfahrerei Seitens des IS."

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