Jeder von uns kennt die Situation: Allein auf einer dunklen Straße. Jemand kommt uns entgegen. Ob die Person aggressiv ist oder nicht, können wir anhand ihres Gangs einschätzen. Mit 18 Jahren sind wir darin schon wahre Meister.

Generell gilt: Je stärker ein Mensch beim Laufen seinen Brustkorb und sein Becken bewegt, desto aggressiver ist er oder sie. Zwar bewegt sich bei jedem Menschen der Körper beim Laufen mit, aber bei aggressiven Menschen sind die Bewegungen messbar stärker ausgeprägt. Außerdem laufen aggressive Männer auch etwas schneller als der Durchschnitt.

Der Gang informiert über das Aggressionspotential

Der Wissenschaftler Liam Satchell von der britischen Universität Portsmouth hat dieses Phänomen untersucht. Er hat Probanden im Labor aufs Laufband geschickt und ihnen vorher Marker auf bestimmte Punkte des Körpers geklebt: Schultern, Hüfte und vor allem die Beine. 

Die Bewegung dieser Punkte wurde dann gefilmt - wie fürs Kino beim Motion-Capture-Verfahren. Das Resultat sind zwei Videos, die den Unterschied zwischen einem aggressiven Gang und einem nicht-aggressiven Gang verdeutlichen sollen.

Mit 18 Jahren sind wir so gut wie mit 80

In einem anderen Versuch hat Liam Satchell einer älteren und einer jüngeren Gruppe von Probanden reale Aufnahmen von Männern und Frauen auf dem Laufband gezeigt, die unterschiedlich aggressiv wirkten. Die Auswertung des Versuchs hat gezeigt, dass die Einschätzung des Aggressionspotentials unabhängig vom Alter gleich gut war. 95 Prozent aller Teilnehmer lagen richtig.

Liam Satchell kommt zu dem Fazit, dass sich unser Bauchgefühl, unsere Intuition, bis zum Alter von ungefähr 18 Jahren ausdifferenziert und ab dann beibehalten wird.