In seinem Debütroman "Lieber Osama" beschreibt Chris Cleave, wie eine Frau bei einen Bombenanschlag auf das Fußballstadion des FC Arsenal Mann und Kind verliert. 300 Seiten lang lässt der Autor sie alles sagen, was sie fühlt und denkt.

Es ist der 1. Mai und ein wunderschöner Samstagmorgen. Vater und Sohn haben schon die Trikots an. Der Sohn ist zwar erst 4 Jahre und 3 Monate alt, darf aber trotzdem schon mit ins große Fußballstadion. Die Mutter bleibt lieber zu Hause und guckt das Spiel im Fernsehen. Der FC Arsenal spielt gegen den verhassten Kontrahenten FC Chelsea. Der Trubel im Stadion ist nichts für sie.

"Sie winkt ihnen, und ahnt nicht, dass sie ihre beiden Männer nicht wiedersehen wird."
Lydia Herms über "Lieber Osama"

Als das Spiel läuft ist die Mutter zu Hause, der Fernseher läuft. Aber sie schaut nicht hin. Sie ist mit dem blasierten Nachbarn beschäftigt, mit dem sie eine Affäre hat. Aber sie hört den Knall. Den Knall der Explosion der 1000 Menschen das Leben kostet. Darunter ihr Mann und ihr Sohn. Der Schriftsteller lässt sie alles sagen, was sie fühlt und denkt, wen sie hasst und wen sie vermisst, in einem schnoddrig-scharmanten Ton, selbstbewusst und grundehrlich, in einem langen Brief an keinen geringeren als an den Terroristen und al-Quaida-Anführer Osama Bin Laden.

"Na, Osama, wie bist du da jeden Morgen aufgewacht in der klaren, kalten Bergluft hoch über dem Tal? Bist du erst mal aus der Höhle raus, hast dich gereckt und gegen einen Stein gepinkelt?"
Zitat aus "Lieber Osama" von Chris Cleave

Die Mutter, die das gesamte Buch über namenlos bleibt, ist sich sicher, dass Osama bin Laden weder Ahnung von Fußball noch von Liebe hat. Und weil sie aber doch noch ein bisschen Hoffnung in ihn setzt, schreibt sie ihm, wie das ist, einen Sohn zu haben, Fußball toll zu finden, fremd zu gehen, besoffen zu sein, traurig zu sein, allein zu sein, sich das Leben nehmen zu wollen. Sie schreibt es alles auf. Sünde für Sünde. Und wird darüber verrückt.

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