Beim ersten Turnier der Beachvolleyball World Tour im Iran dürfen Frauen jetzt doch nicht zuschauen. Und das, obwohl der Weltverband im Vorfeld garantierte hatte: Niemand wird abgewiesen. Eine riesige Blamage.

Es ist die erste Station der diesjährigen Beachvolleyball World Tour: Die Kish Island Open finden auf einer kleinen Insel im Iran statt. Vor der islamischen Revolution 1979 gehörte Kish zum Privatvermögen der Schah-Familie, erklärt Sportjournalist Christoph Becker. Ursprünglich sollte dort ein kleines Las Vegas oder Monte Carlos entstehen. Heute ist Kish ein Familienferienort.

Vielleicht werden dort auch deswegen die Regeln manchmal etwas lockerer ausgelegt als in anderen Teilen des Iran. Nicht so beim Beachvolleyball. Denn obwohl der iranische Volleyballverband im Vorfeld zugesagt hatte, dass Frauen natürlich zugelassen seien, hat der Polizeichef in Kish verfügt: Frauen müssen draußen bleiben. Eine Blamage mit Ansage, sagt Christoph Becker.

"Das Gesetz im Iran ist relativ klar. Das sagt, dass bei bestimmten Sportarten, da gehört Fußball dazu und auch Volleyball seit 2012, Frauen nicht zuschauen dürfen."
Christoph Becker, Sportjournalist

Jenseits des Booms

Dass das Beachvolleyballturnier ausgerechnet auf Kish ausgetragen wird, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen ist es dort, im Vergleich zu Teheran zum Beispiel, schon im Februar recht warm. Zum anderen aber, erklärt Christoph Becker, will man das Event ein bisschen an den Rand drängen. Denn Beachvolleyball erlebt in Iran einen regelrechten Boom. Die iranischen Teams mischen gut mit im internationalen Geschäft und vor allem junge Iraner lieben den Sport.

"Hätte man auf dem Boom mitreiten wollen, hätte man bis April gewartet, um das Ganze dann zum Beispiel in Teheran zu veranstalten, dann wären auch 10.000 Menschen gekommen."
Christoph Becker, Sportjournalist

Der Termin im Februar ist für viele Iraner ungünstig - der Austragungsort auch. Denn Mitte Februar sind keine Ferien, die Insel ist nur mit dem Flugzeug zu erreichen, was ziemlich teuer ist - und so muss man schon ein ziemlich großer Beachvolleyballfan sein, um sich Urlaub zu nehmen für die Kish Island Open und extra hinzufliegen.

"Mir ist wichtig zu sagen, dass das keine Diskussion ist, die von außen in den Iran reingetragen wird."
Christoph Becker, Sportjournalist

Vor allem den religiös-konservativen Parteien sind diese Veranstaltungen ein Dorn im Auge, sagt Christoph Becker. Veranstaltungen, bei denen junge Leute gemeinsam Spaß miteinander haben könnten, möchten sie so weit wie möglich unter Kontrolle halten. Aber es gäbe im Iran Millionen Menschen, die der bürgerlichen Mittelschicht angehören, die sich wegen der herrschenden Gesetze tagtäglich an den Kopf fassen würden.

Mehr Informationen zum Beachvolleyball-Turnier in Iran: