Von Befristung zu Befristung, jeder Arbeitsvertrag ein neues Etappenziel - manche kommen damit zurecht, keinen unbefristeten Arbeitsvertrag zu haben. Aber für viele macht das eine langfristige Planung wie Familiengründung unmöglich. 

2,8 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland befristet. Das hat die Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion mitgeteilt. Das sind derzeit knapp 8 Prozent aller Erwerbstätigen. Am häufigsten betroffen davon sind Frauen und Berufseinsteiger. Die meisten befristeten Jobs haben Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Für sie ist eine langfristige Planung wie Familiengründung kaum möglich. Andererseits ist es gerade für Berufsanfänger und Langzeitarbeitslose eine Chance, Berufserfahrung zu sammeln. 

So wie Martin*, der einen Job in einem Call Center bekommen hat, nachdem er vier Jahre lang vergeblich suchte. Er weiß jetzt schon, dass sein Arbeitsvertrag nicht entfristet wird, weil er die erwartete Leistung nicht gebracht hat. Was von ihm gefordert wird, hatte man ihm gar nicht mitgeteilt. Für das Unternehmen eine superflexible Situation à la hire and fire.

"Ich fühlte mich da einfach manchmal behandelt wie ein Leibeigener, also ohne Rechte, sondern nur mit Pflichten."
Martin*

Seit 1985 gibt es sachgrundlose Befristung in Deutschland. Damals lockerte die schwarz-gelbe Regierungskoalition die Arbeitsgesetze, um den Arbeitgebern mehr Flexibilität einzuräumen. Das Beschäftigungsförderungsgesetz sollte zunächst bis 1990 gelten. Die sachgrundlose Befristung wurde 2001 mit dem Teilzeit- und Befristungsgesetz neu geregelt. Zum Beispiel dürfen Neueinstellungen sachgrundlos auf zwei Jahre befristet sein.

Aber sind sachgrundlose Befristungen wirklich so ein großer Gewinn für Arbeitgeber? Schließlich gibt es eine Probezeit von sechs Monaten. Wenn es nicht klappt zwischen Chef und Angestellten, haben beide Seiten die Möglichkeit innerhalb der Probezeit ohne Gründe das Arbeitsverhältnis zu beenden. Und danach haben sie immer noch die Möglichkeit einer ordentlichen Kündigung.

Superflexibel oder langfristig binden?

Der Start-up-Unternehmer Mathias Junker legt dagegen mehr Wert auf ein intensives Auswahlverfahren. Er schaut sich ganz genau an, ob der Bewerber oder die Bewerberin ins Unternehmen passt – Culture Fit nennt er das. Und wer gut zum Team und in die Firma passt, den will Mathias Junker auch langfristig binden – also unbefristet einstellen.

"Erst, wenn alle der Meinung sind, die Person passt ins Team, stellen wir sie ein."
Mathias Junker, Start-up-Unternehmer

Neben der sachgrundlosen Befristung gibt es auch die Befristung mit Sachgrund, wenn zum Beispiel jemand für die Überbrückung der Elternzeit eines Mitarbeiters eingestellt wird oder jemand nur für die Dauer eines Projekts gesucht wird.

*Name von der Redaktion geändert