Im Alter von 25 Jahren leben noch viele Kinder bei den Eltern. Aber wegen der Corona-Pandemie sind es zumindest temporär noch mehr geworden. Wir haben Tipps, wie das Zusammenleben gut funktionieren kann.

Mehr als jede vierte Person mit 25 Jahren in Deutschland lebt noch (oder wieder) bei den Eltern. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Dabei ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern signifikant: 34 Prozent der 25-jährigen Söhne lebten 2019 noch im Elternhaus, bei den Töchtern waren es nur 21 Prozent.

Die Corona-Pandemie hat dieses Phänomen in Deutschland, aber auch anderen Ländern verstärkt, etwa Italien, Portugal und den USA. Viele junge Menschen ziehen zurück zu den Eltern, zum Beispiel weil sie den Job verloren haben oder weil sie bei den Eltern bessere Bedingungen zum digitalen Lernen vorfinden.

Zehn Prozent der Studierenden zurück zu den Eltern

Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, gibt gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel an, rund zehn Prozent der Studierenden aus Deutschland seien zurück zu ihren Eltern gezogen, weil die Kurse und Vorlesungen digital angeboten werden.

Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center zeigen: Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie leben auch in den USA mehr junge Menschen wieder bei ihren Eltern als vorher.

Tipps zum Zusammenleben mit den Eltern

In höherem Alter wieder oder immer noch bei den Eltern oder einem Elternteil zu wohnen, kann für beide Parteien belastend sein. Die Frankfurter Psychologin Olivia vor dem Brocke beschreibt das Verhältnis so:

Als Säugling besteht eine totale Abhängigkeit von den Eltern, Kinder beginnen dann in vielen kleinen Schritten die Autonomie – bis sie als unabhängige Erwachsene ausziehen und ihr eigenes Leben führen. Irgendwann im Alter kehrt sich diese Abhängigkeit dann wieder um – "dann brauchen meine Eltern vielleicht wieder mehr Unterstützung von mir″, sagt Olivia vor dem Brocke.

Das heißt: Sind die Kinder im Alter zwischen 18 und 40, gibt es kaum Abhängigkeiten voneinander. ″Man kann seinen Eltern also gerade so freundschaftlich begegnen, wie es früher nicht ging und in Zukunft vielleicht nicht gehen wird″, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ilka Knigge.

Das Problem: Wohnt man wieder zusammen, ergibt sich automatisch wieder eine Form von Abhängigskeitsverhältnis. Diese Lebensphase ist sozusagen eigentlich nicht vorgesehen, um noch zusammenzuwohnen.

"Ich habe gereizt reagiert, wenn Mama fragt, wo ich hingehe. In einer WG ist es aber ja auch normal, dass man mal Bescheid sagt, wenn man weg ist."
Rebekka, sie ist nach dem Master für sechs Monate wieder Zuhause eingezogen

Die Psychologin Olivia vor dem Brocke empfiehlt:

  • Aufgaben gerecht verteilen, nicht bekochen lassen. Einfordern, dass man gleichberechtigter Teil des Haushalts wird. So wird die Gefahr reduziert, dass alte Muster der Kinder-Eltern-Beziehung bleiben oder zurückkehren.
  • In die Eltern hineinversetzen und nicht denken, dass sie nur darauf gewartet hätten, dass das Kind wieder einzieht.
  • Davon ausgehen, dass Eltern auch ihr eigenes Leben haben wollen.

Das Wichtigste sei, mit den Eltern zu sprechen: Wie geht’s euch jetzt, wo ich wieder da bin? Macht ihr euch Sorgen, dass ich keinen Job finde? Hattet ihr was vor? Torpedier ich eure Pläne und Gewohnheiten?

Dazu gehört dann zum Beispiel auch zu akzeptieren, dass die Eltern abends vor dem Fernseher essen, obwohl das früher undenkbar war.